10. Oktober 2015
Ein kleiner USA Einreisekrimi
In aller Herrgottsfrühe kommen wir also auf der „Flughafeninsel“ in Galapagos an (Isla Baltra). Alle Shops haben noch geschlossen, nur zwei Kaffeestände sind schon bereit und so kommen wir wenigstens noch zu einem kleinen Frühstück. Es geht erst einmal nach Guayaquil. Mehr als den Flughafen sehen wir aber nicht, sei laut Weltreisespezialist Teggi auch nicht nötig, und es geht weiter nach Miami. Sinnlos – aber dies war eben der günstigste und kürzeste Flug. In Miami angekommen heißt es, das Einreiseprozedere der USA zu absolvieren. Da wir im letzten Jahr in Jamaika waren und hierbei über Atlanta geflogen sind, haben wir ESTA. Die Gültigkeit haben wir sogar schon in Kolumbien überprüft. Gut, da wir nicht viel Zeit bis zu unserem Abflug nach Los Angeles haben. Da die netten Kollegen von der Einreise also bereits unsere Adresse, unsere Fingerabdrücke und ein Foto von uns haben (und bestimmt auch unseren Blog fleißig verfolgen) können wir gleich zur automatengestützten Einreise, wo es keine Schlange gibt. Es wird also schnell gehen – puh! Die Automaten übeprüfen noch einmal Pass, Fingerabdrücke und machen ein Vergleichsfoto und schwups ist man in den USA. Theoretisch! Lina hatte im letzten Jahr noch dunkle Haare und in ihrem Pass auch – jetzt ist sie wieder blond. Bisher gab es damit keine Probleme – der Automat findet das nicht so klasse. Andi darf (trotz neuem und verdächtigem Bartwuchs) passieren, Lina muss sich in einer neuen Schlange anstellen, da auf dem kleinen Papier, welches die Automaten auswerfen, bei Lina ein dickes X drauf ist. In dieser Schlange werden von Officern alle Angaben noch einmal überprüft und es dauert ewig bis ein zu Überprüfender endlich passieren darf. Zu Anfang wartet Andi noch mit Lina, aber da die Zeit bis zum Weiterflug langsam knapp wird, beschließt er schon einmal das Gepäck zu holen (leider geht das nicht direkt weiter). Er schnappt sich sein Ticket und verschwindet in die USA. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist Lina endlich dran und wird nachkontrolliert. Kein Ding denkt sie und lächelt den Beamten freundlich an. Der guckt nur grimmig und gar nicht kooperativ. Es wird ein Foto gemacht und dann noch eines. Der Beamte fragt, wo Lina die letzten 15 Tage war und sie antwortet wahrheitsgemäß Kolumbien und Ecuador. Der Beamte wird noch grimmiger und fragt, was Lina dort gemacht hat und langsam kommt sie ins Schwitzen. Sie berichtet vom Tauchen und Galapagos und wie schön es dort ist. Der Herr hinter der Scheibe zeigt keine Regung. Dann geht es an die Fingerabdrücke, was etwas schwierig ist, da Lina mittlerweile mächtig transpiriert. Zum Gangster ist sie scheinbar nicht geboren, da sie trotz der Wahrheit und nichts als der Wahrheit ins Hyperventilieren gerät. Das wäre also alles geschafft. Nun will der nette Herr nur noch das Weiterreiseticket sehen. Kein Problem! Oder ist es ein Problem, dass auf dem Ticket Andis Name steht, der bereits weg und nicht mehr zu sehen ist und Lina’s Ticket hat? Joa… Könnte sein. Der Herr Beamte findet das nämlich gar nicht so lustig und Lina hat Angst jetzt sofort festgenommen zu werden. Zum Glück klebt der Gepäckaufkleber mit unseren beiden Namen auf dem Ticket und so gibt der kooperative und kulante Officer nach einigen Erklärungen doch noch seinen Stempel in Lina’s Pass und sie darf die heiligen Hallen der Gepäckausgabe betreten. Dort wartet Andi schon recht ungeduldig. Lina erzählt ihre Geschichte und Andi stutzt. Lina hat einen Stempel bekommen? Er nicht! Wir schauen nach und ja, im letzten Jahr gab es einen Stempel. Ein Fehler? Ist Andi jetzt illegal hier und bekommt Probleme bei der Ausreise? Wir fragen nach. Eine Dame sagt nein, verweist uns aber an einen Kollegen. Der sagt ja und verweist uns wiederum an eine Kollegin. Die erläutert glaubhaft, dass Andi keinen Stempel braucht, da mittlerweile alles elektronisch gespeichert wird (das ist aber überraschend) und wir sprinten zum Weiterflug nach L.A. Nachdem wir unser Gepäck wieder aufgegeben haben, läuft uns Lionel Richie über den Weg, was wir aber nur an dem Geschrei einiger älterer Damen bemerken. Geil! Unser erster Star! Spät abends kommen wir am Flughafen von L.A. an und sind mächtig geschlaucht. Deswegen nehmen wir auch ein Taxi zu unserem Hotel, welches uns cirka 100 Euro pro Nacht kostet. Leider hatten wir es versäumt, uns vor der Entscheidung 4 Nächte in L.A. zu bleiben, über die Übernachtungspreise in der Stadt zu informieren, die geradezu horrende sind. Da wir aber sicher und nah an den Highlights wohnen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig als dieses, für den Stadtteil, verhältnismäßig günstige Hotel zu buchen, was aber stark von unserem eigentlich kalkulierten Ünernachtungsbudget abweicht. Das Hotel unserer Wahl wird von einer indischstämmigen Familie geführt, was man auch gleich beim Eintreten erschnuppern kann. Naja erschnuppern… Eher läuft man gegen eine Wand aus Gewürz-Gerüchen, aber das ist uns in unserem Zustand gerade schnuppe. An der Rezeption ist niemand und so drücken wir fröhlich auf der Klingel herum, bis nach etwa 15 Minuten ein verschlafener, missmutiger Inder uns unser Zimmer zuweist. Das Zimmer ist dann aber wirklich neu, hübsch und sauber und es ist auch noch sehr ruhig. Wir freuen uns auf das Ausschlafen und darauf morgen den Hollywood Boulevard zu entdecken, der gleich ums Eck liegt.
11. Oktober 2015
Hollywood Boulevard und Farmers Market
Wir schlafen aus und wachen mit mächtig knurrendem Magen auf. Erst mal echt amerikanisch frühstücken, das ist unsere Idee. Also geht es Richtung Hollywood Boulevard, der nur 5 Minuten vom Hotel entfernt liegt. Da wir über unsere mobilen Endgeräte nicht online sind, heißt es Straßenkarte lesen und der Intuition folgen und so dauert der Weg dann 15 Minuten. An einer der berühmtesten Straßen der Welt angekommen, was man an den zahllosen Sternen auf dem Boden erkennen kann, sind wir erst mal enttäuscht. Der Boulevard ist eine Hauptverkehrsader, die Häuser heruntergekommen und die Straße schmuddelig, die Sterne teilweise kaputt. Zudem kennen wir keinen einzigen Menschen, der da auf den Sternen verewigt ist. Wir laufen ein Stück und der Hunger ist groß. Wer Lina kennt, sollte erahnen können, dass nun schnellstens etwas zu futtern aufgetrieben werden muss. Da entdecken wir ein amerikanisches Diner, stilecht mit fetten roten Ledercouchen und einer Karte, die schon beim bloßen Anblick die Insulin- und Cholesterinspiegel in die Höhe schnellen lässt. Aber wat mut dat mut – nach genau so einem Laden lechzen unsere Mägen. Für Lina gibt es Massen an Pancakes mit Butter und Ahornsirup und für Andi Unmengen an Toast, Bacon, Ei, Würsten, gegrillten Tomaten und Champignons (was Gesundes! NOT!). Wir schweben im siebten Himmel. Für die Vitamine gibt es dann noch einen Smoothie mit auf den Weg, der zwar auch unglaublich lecker ist, wir uns aber nicht entschließen können, ihn mit dem Prädikat „gesund“ zu versehen. So gestärkt wäre dann jetzt gefühlt erst einmal ein Mittagsschlaf angesagt. Aber wir wollen ja etwas sehen und so schlendern wir weiter auf dem Walk of Fame in der Hoffnung mal einen uns bekannten Star auf einem Star zu entdecken. Das gelingt uns dann auch, als wir Richtung der zahllosen Kinos, Museen etc. kommen, die den Boulevard säumen. Hier ist das Straßenbild auch deutlich schöner und man fühlt sich endlich wie in Hollywood. Das Wetter ist sonnig, was uns zwar den Schweiß auf die Stirn treibt, uns aber nicht abhält weiter die Stadt zu erkunden. Von der Sonne beflügelt grüßt Andi einen Straßenverkäufer gleich mal mit „Yah man“ und wird prompt für einen Jamaikaner gehalten. Hat der Sprachurlaub im letzten Jahr in der Karibik also doch etwas gebracht. Wir beschließen nicht den Hop on Hop off Bus zu nehmen und ein gutes Stück seiner Route zu Fuß zu gehen bis zum Farmers Market, der 6 Kilometer entfernt liegt. Auf dem Weg sehen wir einen Frisör und Andi möchte unbedingt einen Haarschnitt. Lina eigentlich auch, aber die nette Dame, die den Laden alleine schmeißt, hat nur Zeit für Andi, da gleich ein bestellter Kunde kommt. Sie holt die Schneidemaschine raus und fragt auf wie viele Millimeter Andi die Haare geschnitten haben möchte. Bei dieser Frage stehen sowohl Andi als auch Lina die Haare zu Berge. Man muss dazu sagen, dass wir in München einen Traum von einer Frisörmeisterin haben (Gruß und „Wir & unsere Haare vermissen dich“ an Melli), die bei Andi alles mit der Schere schneidet und nur den Nacken ausrasiert. Irgendwie hatten wir das hier auch so erwartet. Das erklären wir der netten Frau auch und sie ist perplex. Ihr Haarschneidegerät stammt nämlich aus deutscher Herstellung und so kann sie es nicht glauben, dass in Deutschland noch mit der Schere geschnitten wird. Sie lauscht trotzdem unseren Erklärungen und macht sich mit der Schere an die Arbeit. Ihr Mann, der auch im Laden ist, ist gebürtiger Albaner, dessen Familie es auf der ganzen Welt verstreut hat. Er erzählt uns begeistert lustige Geschichten aus Ostberlin vor dem Mauerfall. Nach bereits 20 Minuten ist Andi wieder schick und wir berichten auf Nachfrage, dass wir zum Farmers Market wollen. Wir sollen ein Taxi nehmen, da man diesen weiten weiten Weg unmöglich gehen kann. Auf einer LA-Karte sehen wir aber, dass wir schon die Hälfte zurückgelegt haben, es sind also nur 3km, über die wir hier sprechen. Als der Mann unsere ungläubigen Blicke sieht, sagt er seiner Frau, dass Europäer sehr viel laufen und an uns gerichtet erklärt er, dass Amerikaner alles fahren. Das ist Völkerverständigung. Trotz der Empfehlung entschließen wir uns zu gehen. Gleich hinter dem Salon soll der Sunset Boulevard beginnen. Der Boulevard entpuppt sich als eine vierspurige Straße, die diesmal von der Randbebauung eher an ein Industriegebiet erinnert. Die Läden sind alle auf Musik ausgerichtet. Mittlerweile ist es Mittag und die Sonne brennt mit 35 Grad unerbittlich. Schatten gibt es hier keinen. Deswegen landen wir in einem ultra veganen Café, um ein Erfrischungsgetränk zu uns zu nehmen. Für je 9 Dollar gibt es für jeden von uns einen Eistee. Also gaaaanz viel Eis mit ein wenig, na was glaubt ihr? Tee! Andi ist begeistert. So ganz ökologisch korrekt kommt uns das ganze hier aber doch nicht vor, wie es propagiert wird. Die Getränke gibt es to go in Plastikbechern und im Bad werden fröhlich die Papierhandtücher verschwendet. Dieses Café ist ein schönes Beispiel für L.A. – alles auf Healthy, Bio und Gesundheit (außer unser Frühstück), aber nie so bis zum Ende gedacht. Ist aber vielleicht auch eine sehr europäische Sicht auf die Dinge. Wir beschließen auf unserem Weg nach Süden auf kleine Nebenstraßen auszuweichen, die begrünt sind und Schatten spenden. Ein kleines typisch amerikanisches Holzhaus mit Vorgarten und Terrasse reiht sich an das andere. Es ist wunderbar still, die riesigen Bäume spenden Schatten – alles sehr idyllisch – so mitten in Hollywood. Denken wir. Die Straßenschilder sagen allerdings so klangvolle Namen wie Melrose Avenue und Beverly Boulevard. OK, hier ist es wirklich sehr schön! Nachdem wir noch ein jüdisches Viertel mit zahllosen jüdischen Geschäften und Menschen entlang der Fairfax Avenue passiert haben, erreichen wir den Farmers Market. Schon wieder durstig lächelt uns ein Biergarten mit dem Namen „Biergarten“ vor den Toren des Marktes an. Auch die Worte „Original“ und „Oktoberfestbier“ zwinkern verführerisch. So lassen wir uns nieder und erfahren, dass das Oktoberfestbier fast alle ist und es leider nur noch Weihenstephan gibt. Nun gut. So gibt es für Lina ein kalifornisches Bier und für Andi ein Weihenstephan. Wir ernten noch ungläubige Blicke, als die Bedienung ein Foto von uns macht, das wir unbedingt auf Instagram veröffentlichen sollen, und wir ihr sagen müssen, dass wir nicht auf Instagram sind. Kurzzeitig fühlen wir uns alt, reden uns dann aber ein, dass die Amis auch alles von sich im Internet posten und wir das ja nieeee machen würden. Gestärkt schlendern wir jetzt also über den Farmers Market. Woher der Name stammt, wird uns dabei aber nicht klar. Dieser Platz ähnelt eher einer luxuriösen, internationalen Fressmeile. Es gibt hier die verschiedensten Hüttchen, ähnlich einem Weihnachtsmarkt, auf dem Spanier, Franzosen, Italiener usw. ihre landestypischen Speisen und Getränke feilbieten. Wirklich schön, aber nicht, was wir erwartet haben. Darüber hinaus gibt aber auch einen Stand, der tatsächlich Kartoffeln, Bananen und vor allem Kürbisse anbietet. An einem schönen französischen Shop kommen wir dann doch nicht vorbei. Lina braucht unbedingt mal wieder einen leckeren Wein. Das ist natürlich kein Schnäppchen, aber Lina freut sich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Direkt aus dem Farmers Market austretend, landen wir in einer großen Shopping-Meile, die zum Glück auch eine Smoke Free Area darstellt. Wir machen einen Abstecher in die Cheesecake Factory. Aufgrund der langen Schlange und ca 10 USD pro Kuchen verlassen wir den Laden ungesnackt wieder. Als Ausgleich finden wir einen Häagen-Dazs Stand, bei dem wir unsere Gelüste stillen. Es gibt riesige, teure und sauleckere Portionen: Kinder-Eis 5 USD, Milchshake 9 USD, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Wir machen uns zweifelnd, ob wir die Strecke nochmals zu Fuß zurücklegen wollen, auf den Rückweg. Wollen wir nicht. Es dämmert und wir beschließen, das nächste Taxi anzuhalten. Nach mehreren Minuten ist noch immer keines in Sicht und Andis Fuß will nicht mehr. Daher marschiert er in einen jüdischen Shop und fragt, wie man hier ein Taxi bekommen kann. Ein Kunde lächelt nett zurück und sagt: „No way! Good luck!“ Darüber hinaus erklärt er uns aber auch, wie wir zur nächsten Bushaltestelle kommen. In L.A. gibt es keine S- oder U-Bahn. Also gehen wir zur besagten Haltestelle. Wir warten 20min und der Bus kommt und bringt uns auch bis zurück zum Hollywood Boulevard. Dort schmeißen wir uns noch ein kleines Abendessen beim Fast Food Restaurant unseres Vertrauens ein und marschieren zurück zum Hotel. Nach einer Dusche geht es auch direkt ins Bett, wir sind total kaputt und schon gespannt, was morgen passieren wird.
- Zum Frühstück sollst du Speisen wie ein König: Check!
- Hollywood Baby!
- Hard Rock Café Hollywood
- Lina auf dem Walk of Fame
- Andi mit Tom Hanks (😜)
- Das Hollywood-Sign wacht über uns
- Veganer Bio-Superhero Ice Tea und Andi mit neuer Frise
- Idylle mitten in Hollywood
- Farmers Market
- Bitte auf Instagram posten!
- Weihenstephan – typisch amerikanisch
- Ein Oktoberfestbier bitte!
- Einmal im Leben… Keinen Kuchen für 10$ essen
12. Oktober 2015
Was so alles liegen blieb
Heute schlafen wir mal so richtig aus. Das Zimmer ist trotz Klima schön leise und gut zu verdunkeln, was es einfach macht. Den Schlaf aus den Augen vertrieben, gehen wir auch direkt zum Frühstück. Die Raubkatze hat Hunger. Ohne bis zum Hollywood Blvd zu gehen, finden wir in der Franklin Avenue direkt ein süßes kleines Café. Unser Frühstück ist heute ein Schnäppchen – 30 USD. Naja, man geht auch nicht nach Los Angeles bzw. Hollywood um zu sparen. Als Reisende zwar auch nicht zum Arbeiten, aber das muss heute sein. So besteht der Rest des Tages aus Einkaufen, Waschen, Internet usw…Gute Nacht.
13. Oktober 2015
Horror-Nacht und super Tag
Mitten in der Nacht werden wir von starkem Lärm geweckt. Zuerst sind wir unschlüssig, was das zu bedeuten hat. Aber kurz darauf schlägt etwas unter unserem Fenster (wir sind im ersten Stock) auf dem Parkplatz auf. Dann noch ein Gegenstand, wir vermuten größer, da der Aufschlag lauter ist. Wir hören stetes Männerschreien und uns wird klar: „Mist, hier tickt gerade einer aus!“ Andi bleibt ruhig und möchte, aus dem Schlaf gerissen, ins Badezimmer. Das verbietet Lina. Es soll kein Lärm und schon gar kein Licht gemacht werden. Das mit dem Licht ginge auch gar nicht, denn wir registrieren schockiert, dass der Strom im gesamten Hotel Weg ist. Jetzt bekommt auch Andi ein mehr als mulmiges Gefühl. Wir glauben Schritte vor unserer Tür zu hören und bekommen es wirklich mit der Angst zu tun. Schließlich darf hier jeder (Schuss-) Waffen tragen. Das Geschrei hört nicht auf, aber entfernt sich wieder. Plötzlich ein sehr lauter Knall. Wir glauben, dass soeben der Fernseher seinen Weg durch berstendes Glas auf den Parkplatz gefunden hat. Warum ruft nur niemand die Polizei. Auf Lina’s Anweisung verschanzen wir uns zwischen Bett und Fenster auf dem Boden, so dass man uns von der Tür, falls diese geöffnet wird, nicht sehen kann. Eine Flucht kommt nicht infrage, da wir nicht wissen, wo der Mann ist und ob wir ihm auf dem Weg raus nicht begegnen würden. Nach einer gefühlten Ewigkeit legen wir uns zurück ins Bett, da der Lärm abgeflacht ist und nur noch gelegentliches Rumpeln zu vernehmen ist. Nach weiteren Beratschlagungen schlafen wir eng aneinander nochmals ein. Dementsprechend gerädert wachen wir auch eben auf. Alles ist ruhig. Wir machen uns strandfertig, da wir nach Hollywood, Melrose und Beverly vorgestern, heute den nicht weniger berühmten Venice Beach begutachten wollen. GoogleMaps verrät uns, dass es zu Fuß ungefähr 13 Meilen sind (knapp 21km), weswegen wir dann bei aller Sportbegeisterung doch auf die öffentlichen Verkehrsmittel (hier also den Bus) zurückgreifen werden. Guter Dinge schlendern wir aus unserem Zimmerchen. An der Rezeption sind die beiden indischstämmigen Besitzer und ein weiterer junger Mann. Auf die obligatorische Frage „How are you?“, antwortet Andi nicht in Smalltalk, sondern damit, dass die Nacht wirklich schrecklich war. Beide Inder zeigen sofort auf den Mann und erklären, dass er das war. Der Kerl bricht fast in Tränen aus und ist ein kleines Häufchen Elend. Er entschuldigt sich zutiefst aufrichtig und sagt er sei sehr betrunken gewesen und dass er hofft, dass wir ihm verzeihen können. In dem Augenblick haben wir das auch schon. Außerdem warten die Besitzer und er gerade auf die Polizei. Wir vermuten, dass das für ihn kein ganz günstiger Ausraster sein wird, denn der morgendliche Blick aus dem Fenster hat verraten, dass sämtliches Mobiliar auf, den vor unserem Fenster abgestellten, Autos gelandet ist. Das wäre also geklärt und wir können heute Abend hoffentlich ohne mulmiges Gefühl schlafen gehen. Im gleichen Café wie gestern holen wir uns noch einen Iced Coffee to go. Lina möchte ganz normalen Kaffee, also ohne Sirup (Flavor). Ihr erklärt man, dass das nicht schmeckt und so etwas Abartiges hier nicht ausgeschenkt wird. Sie nimmt also Flavor. Ist lecker, wenn vielleicht auch nicht mehr Kaffee im eigentlichen Sinn. Wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle, die uns der berühmte Suchmaschinenprovider ebenso zur Verfügung stellt, wie Abfahrtszeiten, Liniennummern, Richtungen, Stops und Umsteigepunkte. Rundum-sorglos-Paket, nur die Tickets müssen wir noch selber kaufen. Macht man aber entspannt direkt im Bus. In guten 80 Minuten Fahrt sehen wir viele Facetten dieser Weltmetropole und noch mehr Palmen. Dort angekommen schauen wir uns zuerst das Hostel an, in dem unser weltreisender Freund Teggi hier nächtigte und das er uns empfahl. Die Doppelzimmer waren jedoch ausgebucht und in den Schlafsaal wollten wir nicht. Im Anschluss geht’s zum Skatepark mitten auf dem Strand, wo einige wirklich talentierte Teenager, soweit wir das als Laien beurteilen können, ihre Moves zeigen. Hungrig beschließen wir einen kleinen Brunch einzunehmen und dabei am besten einen Blick auf die tollen Wellen zu haben. Klappt. Es gibt eine Pizza mit frischen Muscheln und dazu Weißwein. Life can be so nice! Ehe wir uns nun an den Strand legen, machen wir einen kleinen Verdauungsspaziergang zu einer Drogerie, in der Lina für ihre sensible Haut eine Gesichtscreme von Avène kauft. Am Strand suchen wir uns ein schönes Plätzchen. Das ist hier keine Herausforderung, weil der Strand bestimmt 100m breit und in beide Richtungen bis zum Horizont lang ist. Die typischen Baywatch-Hüttchen und die Rettungsschwimmer mit ihren roten Rettungsbojen erinnern unweigerlich an die Serie aus unserer Kindheit mit Pamela Anderson und David Hasselhoff. Wir entspannen und kühlen uns im Pazifik mit seinen beeindruckenden Wellen von der drückenden Hitze ab. Irgendwann zieht es uns in das nächste Strandbistro. Wir überlegen, ob wir hier noch bis zum Sonnenuntergang bleiben wollen. Wir sind aber total erschöpft und haben noch knapp 1,5 Stunden Heimfahrt mit dem Bus vor uns. Wir entschließen uns, zurück nach Hollywood zu gehen. Dort essen wir dann noch eine Kleinigkeit und gehen zurück ins Hotel. Da unser Flug morgen erst um 23:30Uhr abhebt, fragen wir an der Rezeption, ob wir Late Check-Out machen können. Der geschäftstüchtige Inhaber antwortet, dass das kein Problem ist und nur 100$ kostet. Wir lehnen ab. Er möchte uns Rabatt geben und meint, wir könnten bis zum Ende im Zimmer bleiben. So können wir nochmals in die Stadt, abends zurück und duschen, und das alles für nur 80$. Das mit der Dusche hört sich gut an, wir sind aber nicht bereit, dafür so viel Geld auszugeben. Wir fragen, ob er dann unser Gepäck einfach irgendwo ablegen kann und wir es abends wieder holen. Mürrisch gibt er zu verstehen, dass das nur 10$ kostet. Wir hatten zwar auf kostenlos gehofft, aber 10 USD sind in Ordnung. So werden wir das morgen machen.
- Grüße an Teggi
- Boarder am Venice Beach ✌️
- Pizza und Wein am morgen vertreibt Kummer und Sorgen
- Eine Straße mit Palmen
- Beverly Hills
- Venice Beach
- Wo ist David?
- Und wo Pamela?
- Love it!
14. Oktober 2015
Abreise in die Südsee
Wir schlafen aus und verlassen pünktlich um 11Uhr das Hotel. Unsere großen Rucksäcke dürfen wir eigenhändig in den Garten tragen, der sonst nur für die Besitzer zugänglich ist, was wir schade finden. Dort stellen wir sie in ein kleines Gartenhäuschen und bezahlen die 10 USD. Wir heben Geld ab, Essen typisch amerikanisch zu Mittag und machen noch ein paar Fotos vom Hollywood Sign, welches uns die Tage über treu begleitet hat. Wir schauen uns noch The Egyptian Theatre an und begeben uns nachmittags in einen Starbucks nahe dem Dolby Theatre. Mit gratis WiFi, wobei es das in jedem Lokal/Bar/Bistro/Café gab, in welchem wir hier waren, schreiben wir hier einiges rein, treiben unsere Reiseplanung voran und mutmaßen, ob die Südsee tatsächlich so schön ist, wie wir sie uns immer vorgestellt haben. Auf dem Rückweg machen wir noch bei Hooters einen kleinen Ein-Bier-Stop, man will ja alles mal gesehen haben, und holen unsere Rücksäcke im Hotel. Zum Flughafen gibt es eine spezielle Buslinie mit speziellen Haltestellen. Wir machen uns jetzt also vollgepackt auf den Weg, diese Bushaltestelle zu finden. Google meint, es seien 12min und wir haben noch 23min bis der Bus kommt. Nach kurzer Distanz sehen wir ein grünes Schild, welches den Weg zur Haltestelle für den LAX-FlyAway Bus zeigt. Wir sind jetzt nicht mehr online und müssen auf Gedächtnis und Schilder zurückgreifen, wie rückständig. Es sind jetzt noch 8min und wir haben weder Haltestelle noch weitere Hinweisschilder gesehen und sind schon leicht aufgeregt. Zum Glück fragt Andi an einer Ampel eine Passantin, wo denn diese Haltestelle sei. Leider weiß sie es auch nicht und wir drehen uns verzweifelt um. Einige Sekunden später, spricht uns die junge Dame wieder an und meint, dass sie glaubt, da vorne so ein Schild zu sehen. Wir können da zwar nichts erkennen, vertrauen ihr aber und gehen in diese Richtung. Volltreffer. Ein weiteres Schild, welches die Haltestelle in 300m ausweist. Ohne die nette Amerikanerin hätten wir den Bus wohl verpasst. An dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön nach Kalifornien. Nach knapp einer Stunde Fahrt kommen wir am Flughafen an. Wir müssen uns in eine sehr lange Schlange einreihen und die Trolleys kosten Geld, weswegen wir die Rucksäcke wohl noch eine Zeit selbst bewegen müssen. Aber nicht mit Andi. Er spricht die Frau an, die die Trolleys verwaltet, die abgegeben wurden und erklärt ihr seine Not und dass er den Trolley selbstverständlich wieder zu ihr zurückbringen wird. Der Charmeur hat natürlich Erfolg und bekommt das Gefährt kostenlos. Ohne Gepäck zu tragen stehen wir nun also in einer Schlange, die uns gefühlt 2h kosten wird. Da fällt uns auf, dass wir noch Postkarten versenden wollen. Nun ist Lina dran und begibt sich auf die Suche nach einem Briefkasten. Das Postoffice hat vor 10 Minuten geschlossen und das Flughafenpersonal sagt ihr, dass es keine Briefkästen gibt. Aber Lina gibt nicht auf und fragt sich weiter durch, um vielleicht doch noch einen vergessenen Postkasten in irgendeiner Ecke des Flughafens zu finden. Auch der Officer am Schalter für die zollpflichtigen Waren muss sie enttäuschen. Als er aber ihr verzweifeltes Gesicht sieht, erbarmt er sich und verspricht den Brief auf seinem Heimweg einzuwerfen. Wie nett ist das denn bitte? Bis auf den ausrastenden Typen sind die Menschen hier wirklich nett und hilfsbereit. Irgendwann bilden wir dann das vordere Ende der Schlange und dürfen unsere Rucksäcke aufgeben. Es geht los. Und die Vorfreude wird auch durch das in die Jahre gekommene Flugzeug von Air Tahiti Nui nicht geschmälert. Der nächste Bericht kommt aus der Südsee, genauer Französisch Polynesien und noch genauer aus Huahine und richtig präzise aus Huahine-Iti (kleinerer Part der Miniinsel) und dem „Dörfchen“ Parea.
- Noch ein letztes Mal Hollywood Boulevard
- Ägyptisches Theater
- Wir zeigen Respekt
- Ein echts Filmset mit „Aaaand Action“
- Andi vs. Predator
- Hollywood Sign
- Tss tss tss
- Hollywood-Boulevard von der Mitte aus gesehen
- Oskar Baby!
































