Santa Marta – Tauchen lernen an und in der Karibik

24. September 2015

Reisestrapazen / Ankunft und Erkundung Santa Marta

Um 5 Uhr morgens landen wir in Bogotá (zwischen). Wir sind nun also in Kolumbien. Vorausschauend planend, wie wir eben unterwegs sind, haben wir uns auch schon vor ein paar Stunden, beim Transit-Stop in São Paulo, erkundigt, ob man für Kolumbien ein Visum benötigt. Für deutsche Staatsbürger ist nur ein Reisepass erforderlich. Gut für uns. Nachdem wir es durch die Immigration geschafft und den Baggage Drop-Off hinter uns haben, wollen wir uns davon überzeugen, ob der kolumbianische Kaffee hält, was uns versprochen wird. Tut er. Lecker! Gestärkt und den Schlaf im Gesicht etwas vertrieben, wollen wir nun wissen, von welchem Gate unser Flug nach Santa Marta geht. Auf den Departure-Tafeln finden wir unseren Flug aber nicht. Also gehen wir, leicht aufgeregt aber noch relativ entspannt, schließlich haben wir noch 30 Minuten bis das Boarding beginnen soll, zum Staff-Schalter unserer Fluggesellschaft Avancia. Die Dame schaut Andi erst mal etwas verständnislos an, da es offensichtlich ist, dass er nicht zum Staff von Avancia gehört. Als die Dame unser Anliegen versteht, schaut sie besorgt und sagt, dass wir zu einem anderen Terminal müssen, welches in einem anderen, nicht angrenzenden Gebäude untergebracht ist. Sie rät uns auf jeden Fall den Shuttle-Bus zu nehmen, da wir es zu Fuß nicht mehr rechtzeitig schaffen werden. Wann der Bus kommt, wo genau oder in welcher Frequenz, weiß die gute Frau leider auch nicht. Wir gehen also nervös und zügigen Schrittes zu irgendeiner Bushaltestelle vor dem Flughafen. Andi fragt noch einen Flughafen-Mitarbeiter, ob wir richtig sind. Wir haben Glück, er bejaht. Der Bus kommt dann auch innerhalb einer Beruhigungszigarette und nach 15 Minuten Fahrt, bedeutet uns der Busfahrer, dass wir hier aussteigen sollen. Außer uns sind nur Arbeiter in diesem Bus, weswegen der Fahrer vermutlich geschlussfolgert hat, dass wir hier aussteigen müssen. Ihm blind vertrauend steigen wir aus. Und wieder haben wir Glück oder eben gutes Zeitmanagement, da wir rechtzeitig zum Boarding da sind.

In Santa Marta am Flughafen, der direkt an der Karibik liegt, werden wir bereits erwartet. Der Fahrer ist sehr nett, obwohl wir natürlich auch kein Spanisch sprechen. Etwas anders verhält sich das bei der Ankunft in unserer schönen Unterkunft. Hier lässt uns die Grande des Hotels schon spüren, dass sie es schade findet, dass wir kein Spanisch sprechen. Und mal ehrlich, sie hat sowas von Recht. Das kleine Hotel hat Lina ausgesucht, da die Planung des Tauchscheins und alles was dazu gehört, im Geschenk an Andi inbegriffen ist. Die Unterkunft ist wirklich total süß und liegt direkt im Centro Histórico. Wir packen jetzt aus und gehen auch gleich auf unsere obligatorische Erkundungstour. Am Strand, dem direkt im Anschluss und ganz in der Nähe der Hafen folgt, gefällt es uns nicht wirklich. Dementsprechend ziehen wir weiter und begutachten Rathaus und Kirche. Da die Kirche die älteste in Spanisch-Amerika ist, muss zur Abwechslung mal etwas Kultur sein. OK – Kirche – schön – aber auch wieder gut und weiter. Wir Banausen. Es herrscht, so weit wir das bisher beurteilen können, ordentlicher Trubel in der 415.000 Einwohner starken Karibikstadt. Lina fremdelt noch etwas in der neuen Umgebung bzw. mit der neuen Mentalität und „muss erst ein Gefühl dafür bekommen.“ Aha. Nach einem leckeren Mittagessen in einer kleinen Straßen-Bar, suchen wir eine SIM-Karte, um dem weltweiten Onlinegeschehen bei Bedarf beiwohnen zu können. Ja, auch die in den 80ern Geborenen gehören zur Generation Y. Die uns beim Mittag gegebene Wegbeschreibung misinterpretieren wir dann auch sofort. In den Laden, in den uns unser Falschgehen führt, erhalten wir eine neue Route. Gleiches Spiel. Ja ja, die Sprachkenntnisse. Der Wegweisung aus dem zweiten Shop folgend, wir kommen uns vor wie bei einer Schnitzeljagd, landen wir in einem großen Einkaufszentrum. Zum Glück ist dieses klimatisiert, da wir in unsere Erkundungstour nicht nur Schlafmangel, sondern auch 35 Grad Mittagssonne eingepackt haben. Es soll uns ja an nichts fehlen. Auf jeden Fall werden hier Prepaid SIM-Karten verkauft. 20.000 COP (Kolumbianischer Peso) will man von uns, was ca. 6€ entspricht und uns 1GB Datenvolumen beschert. Schon mal hier, machen wir für weitere 20€ noch einen Großeinkauf inkl. Zigaretten (1€/Schachtel), Alkohol und Füßlinge für Lina und begeben uns, ohne über Los zu ziehen, direkt zurück ins Hotel. Nach Entspannung, Abendessen und Dusche, die Reihenfolge tut hier nichts zur Sache, geht es zeitig ins Bett, da wir morgen um 6:30 Uhr aufstehen werden, um um 8:00 Uhr in Tagange zu sein. Scuba Diving!

25. September 2015

Aufwärmen im Pool und Theorie-Overkill

Der Wecker klingelt werktagsüblich um 06:30 Uhr an diesem Freitag. Aber okay – no pain, no gain! Die 15-minütige Taxifahrt nach Tagange kostet uns 3€ – das ist verträglich. Nach einer kurzen Begrüßung im Dive Center steckt man uns mit 4 anderen Glücklichen in einen kleinen, fensterlosen, heißen Raum und wir haben die Ehre, einen Lehrfilm über das Tauchen anzuschauen, der über 3,5h Länge hat. Cullum (aus Schottland), seine Freundin Amelie (USA), Lorena (Allgäu) und Manni (Kanada) sind genauso begeistert wie wir. Beim Mittagessen bei einem Fischer am Strand berichtet uns Manni, dass er mit seiner Frau ein Jahr durch Südamerika reist und dafür sein Haus und sein Auto verkauft hat (Lina ist begeistert von soviel Abenteuerlust, Andi völlig schockiert ob so viel Risikoaffinität). Dann geht es zurück ins Dive Center und nach einer kurzen Einweisung in das Equipment werden wir dann bis 19:00 Uhr im Pool drangsaliert. Wir dürfen veschiedenste Notfallsituationen in diesem Pool üben (DAS kann alles passieren?) und wir sind ja auch nur 6 Students plus Teacher, da reichen die 3×3 Meter Pool ganz locker… NOT! Leichte Platzangstgefühle kommen schon auf, wenn 6 Menschen, die noch nie so richtig unter Wasser waren ihre Gliedmaßen zu koordinieren versuchen. Nachdem das geschafft ist, quatschen wir noch etwas mit einem anderen Dive Instructor aus Uruguay, der uns auch gleich 2 der hart umkämpften Paulaner Oktoberfestbiere ausgibt. Davon hat der Besitzer Max aus Bayern 2 Kisten erhalten, die eigentlich für ihn und seine Crew und nicht zum Verkauf/ Verschenken gedacht sind. Um 21:00 Uhr sind wir dann zurück in Santa Marta und gehen hungrig und totmüde zum Essen. Wir stellen fest, dass die kolumbianische Küche, zumindest hier in Santa Marta, ein buntes Konglomerat aus südamerikanischer, europäischer und amerikanischer Küche ist. Vor allem Ceviche, ein peruanisches Gericht, gibt es fast überall und Lina lässt es sich schmecken. Wir lassen den Tag, die Übungen und ihre verursachenden Panikmomente Revue passieren und fragen uns, ob Tauchen der richtige Sport für uns ist.

26. September 2015

Back to School

Heute sollen eigentlich die ersten beiden Open Water Dives (OWD) auf 12m stattfinden, nachdem wir gestern Kapitel 1-3 (von 5) sowohl in Theorie als auch in Praxis abgehakt haben. Wir haben dabei gelernt, dass man bei (Anzeichen) einer Erkältung nicht tauchen soll. Andi hat heute Halsschmerzen. Somit lassen wir die OWD ausfallen und pauken Kapitel 1-3. Den ganzen Tag. Wir fühlen uns gerade sehr an Schul- bzw. Uni-Zeiten erinnert. Außerdem fällt uns auf, dass wir den Tauchlehrgang wohl nicht binnen drei Nächten schaffen werden und so verlängern wir mal wieder spontan unsere Unterkunft um drei weitere Nächte bis 30. September. Nur gut, dass wir bisher noch keine weiteren Flüge gebucht haben (außer Mitte Oktober LA nach Papeete und Anfang November Papeete nach Auckland).

27. September 2015

Abschluss Confined Water

Obwohl heute Sonntag ist, sind wir wieder um 8:00 Uhr in Tagange. Ziemlich unchristliche Zeit am Sonntag für Wahl-Bayern. Nach einigen Gesprächen in der Tauchschule, wie wir jetzt weiter vorgehen – man dachte dort wohl, dass wir nicht mehr kommen würden – schließen wir vormittags alle Übungen in Confined Water (bei uns der Pool) ab und sind mittags zurück in Santa Marta, wo wir uns an die übrigen Kapitel 4 und 5 machen. Weiterhin sind wir uns mit dem Tauchen nicht so ganz sicher. Vielleicht liegt das auch daran, dass Lina heute im Pool kurzzeitig ohnmächtig wurde. Dank Andis Mama erfahren wir, dass heute der sogenannte Blutmond zu sehen sein soll. Wir warten auf die Dunkelheit und sind überrascht, dass man ihn tatsächlich auch in Kolumbien sehen kann. Lina kommt mit ihrer Kamera gar nicht mehr von der Terasse runter und missbraucht sämtliches Mobiliar als Stativ-Ersatz.

28. September 2015

Open Water Dives I & II

Heute wollen wir es wissen und sind schon um 7:30 Uhr in Tagange. Wir füllen unsere Tassen mit Kaffee, der im Dive Center kostenlos zur Verfügung steht und sehr lecker ist, setzen uns an Tische am Pool und machen die Quizzes, die unseren Lernerfolg prüfen. Dive Master Petra ist so zufrieden und wir so schnell, dass wir direkt mit dem Final Exam beginnen sollen. Das betrachten wir natürlich nicht als Risiko, sondern als Chance, also her mit dem Final Exam. Kurz vor 9 geben wir unsere Exams halbfertig ab, weil man uns sagt, dass es jetzt mit dem Boot aufs Meer geht, der erste Tauchgang steht an. Wir fahren mit dem Boot in den Nationalpark Tayrona (Parques Nacional Natural Tayrona). Zuerst müssen wir 200m Schnorcheln. Jetzt ist die Tatsache, dass wir gleich 12 Meter Wasser über unseren Köpfen haben werden zu 100% in unsere Hirne vorgedrungen. Der Gedanke macht Lina leider so viel Angst, dass sie Panik bekommt und abbrechen muss. Sie scheint nicht nur Höhenangst, sondern jetzt auch noch Tiefenangst zu haben, hoffentlich kommt da nicht auch noch irgendwann die Angst vorm Nulllevel dazu – dann wird es echt schwierig. Andi will ebenfalls aus dem Wasser, aber Lina gibt ihm deutlich zu verstehen, dass er das jetzt durchziehen soll und sie auf dem Boot gut klarkommt. Andi macht also die beiden 12m-Dives und ist auch hochgradig begeistert. Lina ist furchtbar neidisch und will dieses Hochgefühl eigentlich auch unbedingt (mit)erleben. Zurück im Dive Center wird das weitere Vorgehen besprochen. Linas Kämpfernatur lässt ein einfaches Aufgeben nicht zu und so wird sie Andi morgen wieder in die Tauchschule begleiten, den theoretischen Teil abschließen und gegebenenfalls noch einmal vom Strand aus versuchen, den Ozean zu erobern.

29. September 2015

Open Water Dives III & IV sowie Abschied vom Poseidon Dive Center

Beim Frühstück verlängern wir unseren Aufenthalt bis 1.10. und sprechen uns gegenseitig Mut zu für die bevorstehenden Herausforderungen. Das hilft, wenigstens bei der schriftlichen Prüfung, die wir beide mit jeweils 96% richtigen Antworten abschließen und somit mit Bravour bestehen. Witzigerweise haben wir beide die Fragen zum gleichen Thema falsch beantwortet. Nun trennen sich unsere Wege. Lina bleibt in der Tauchschule und Andi geht aufs Boot, das am Strand (ca. 100m entfernt) liegt, um seine beiden 18m OWD zu absolvieren. Die Unterwasserwelt ist atemberaubend und die Tauchlehrerin hat sogar eine Kamera für Beweisfotos dabei. Zur Mittagszeit ist Andi freudestrahlend als zertifizierter Taucher zurück und wir gehen erst mal zum Mittagessen. Andi schwärmt von der Unterwasserwelt, dem Gefühl des Schwebens und dass die Übungen nur jeweils 5-10min dauern und anschließend der Tauchgang bereits zum Fun Dive genutzt wird. Nur die Auftauchübung als Notaufstieg, ohne dass ein weiterer Taucher da ist, der seine Ersatzluft geben kann, aus 6m Tiefe und ohne Luft (= CESA = Controlled Emergency Swimming Ascent) sei ein bisschen herausfordernd gewesen. Auf jeden Fall beschließen wir mit unserer Dive Master Petra (ursprünglich aus Tschechien, aber schon 20 Jahre in tropischen Ländern lebend, an Land furchtbar pushy und unter Wasser eine händchenhaltende Mami), dass Lina einen weiteren Versuch unternimmt. Die beiden Mädels gehen in kompletter Taucheruniform runter zum Strand, was die Einheimischen sehr interessant finden. Andi begleitet sie und freut sich sehr als die beiden Minuten später abtauchen. Leider kann man unter Wasser die Hand vor Augen nicht sehen und Lina ihre Tauchlehrerin auch nicht, obwohl sie sie an der Hand hat. Das ist mal wieder zu viel und sie erfasst wieder eine Panikattacke. Auf 5 Metern muss sie erneut abbrechen. Damit war es das dann wohl. Trotzdem geht sie danach wieder in den Pool, um ihre einzig offene Übung darin noch durchzustehen.

Damit hat Lina zumindest die Theorie und Confined Water Dives bestanden. Wir beschließen, dass Lina es an einem anderen Punkt der Reise nochmals mit dem Scuba Diving versucht.

Wir quatschen noch eine ganze Runde mit Petra, die Lina noch viele Tipps mit auf den Weg gibt, und Joselin, die einheimische, gute Seele der Tauchschule, mit der Lina auch in der Organisation zu tun hatte und die die deutsche Sprache ständig wegen ihrer Härte auf die Schippe nimmt, und verabschieden uns dann. Wir können das Poseidon Dive Center in Santa Marta auf jeden Fall empfehlen.

30. September 2015

Lina kränkelt und hat das erste Mal so richtig Heimweh und wünscht sich mit Decke und Tee auf’s Sofa vor den Fernseher. So bleiben wir auf dem Zimmer und planen die nächsten Schritte (Bogotá, Galapagos, ESTA, …).

01. Oktober 2015

Lina kränkelt schlimmer. Die Nase läuft unaufhaltsam und zu allem Überfluss ist ihr Auge über Nacht auf doppelte Größe angeschwollen und sie ist ganz panisch, da sie sich das dicke Auge nicht erklären kann. Sie schleppt sich zum Frühstück und die Besitzerin fragt worauf sie allergisch ist. DAS – so denkt sich Lina, könnte eine Erklärung sein! Sie schmeißt Allergietabletten ein und hofft das Beste. Danach verlassen wir das Hotel und die Karibik und machen uns auf den Weg nach Bogotá und zu Georg, der liebenswürdigerweise schon mal deutschsprachige Ärzte für Lina in Bogotá herausgesucht hat. Na hoffentlich geht’s bald bergauf.