Bogotá – Männer hoch oben und unter sich

01. Oktober 2015

Ehgner United

Wir kommen in Bogotá an und beziehen unser Zimmer für die nächsten beiden Nächte. Georg kann leider noch nicht so früh Feierabend machen wie geplant. Na gut, dann machen wir eben erst mal eine kleine Tour zu Fuß, Routine. Da unsere Unterkunft in La Candelaria (Centro Histórico) liegt, ist unsere Umgebung auch gleich sehr einladend und schön als wir aus der Haustüre treten. Kleine alte Häuschen reihen sich liebevoll renoviert aneinander und die Straße, die steil bergab geht, zeigt Bogotá in seiner vollen historischen Pracht. Zuerst wollen wir unsere kompletten Klamotten zu einem Laundry-Service bringen, das ist dringend notwendig. Außer der Universität finden wir aber nichts, bis wir von einem Studenten eine Wegbeschreibung bekommen. Wir finden die Waschküche, gehen hinein und wollen unsere Wäsche abgeben. Nach kurzer Diskussion verstehen wir, dass wir bei einem Schneider gelandet sind, der uns lachend eine neue Wegbeschreibung gibt. So, gefunden und Wäsche abgegeben, der Preis von 25 Euro, den uns die nette Dame auf den Abholschein geschrieben hat, erscheint uns dann doch recht hoch. Nun gut, wir sind halt Touristen, denken wir und wie gesagt, das mit der Wäsche ist wirklich nötig. Nach vielen schönen, kleinen Gassen und dem tollen Blick über die Stadt, landen wir auf dem Simón Bolívar Platz. Der riesige Platz ist umringt von Gebäuden aus Politik und Kirche in gleichen Dimensionen. Ist also wirklich, selbst für uns Kulturbanausen, sehenswert. Aber gut jetzt, wir haben Hunger. Hier gibt es auffallend wenig Straßencafés / -restaurants, obwohl wir gerne in so etwas gehen möchten. So fällt die Wahl gar nicht leicht. Da Lina ordentlich Hunger hat, hat sie schon ein paar Locations auserkoren, die Andi aber allesamt ablehnt, weil er zu dem Platz mit den vielen Bars möchte, den die Dame in unserer Unterkunft auf unserer Touri-Karte eingezeichnet hat. Er ist sich absolut sicher, den Platz auch gleich zu finden – Männer. Nach weiteren, Lina endlos erscheinenden 10min, finden wir den Platz. Nun haben wir aber ein Überangebot, da sich hier tatsächlich fünf bis sechs in Frage kommende Lokalitäten befinden und Andi immer noch mal in diese und jene Gasse reinschauen möchte. Schließlich setzen wir uns in ein Café, das genau zwei Stühle und einen kleinen Tisch außen anbietet. Da keine Bedienung kommt, stellt sich das mit dem Essen auch als gar nicht so einfach heraus. Lina erbarmt sich, macht innen auf uns aufmerksam und wir dürfen bestellen. Lina trinkt einen Irish Coffee und Andi einen typisch kolumbianischen Kaffee nach Art des Hauses (mit Salz und Limette). Das Essen ist kolumbianisch, gut und befriedigt uns auch. Lina schmeckt zwar wegen ihrer Erkältung nicht was sie isst, aber Andi beteuert, dass es schmeckt. Mittlerweile ist uns nun aber klar, warum es so wenig Außenplätze in Bogotá gibt. Es wird saukalt. Gut, wir sind ja auch ca. 2.600m über dem Meeresspiegel (also beinahe auf dem Gipfel der Zugspitze), was man eben nicht nur an der Sauerstoffknappheit spürt. Zum Glück hat Lina lange Klamotten an, wohingegen Andi der Fuchs lediglich mit Shorts und T-Shirt ausgestattet ist. Die meisten Menschen um uns herum tragen dagegen lang und auch dicke Winterjacken. Die Touris. Zu Andis Gunsten könnte hier nochmals erwähnt werden, dass unsere kompletten Klamotten ja im Laundry-Service sind, allerdings nicht die Langen, die schlummern selig in seinem Backpack. In Kolumbien soll man immer seinen Ausweis mit sich tragen, um ihn bei behördlichen Stichprobenkontrollen vorweisen zu können; haben wir uns angelesen und in Santa Marta auch pflichtbewusst ausgeführt. Natürlich haben wir die heute vergessen. Ganz Murphys Gesetz, erscheint jetzt die Polizei auf dem Platz und fragt einige Menschen ganz in unserer Nähe nach dem Ausweis. Da wir ungern in polizeilichen Gewahrsam genommen werden wollen, ist das für uns das unverkennbare Zeichen, dass es Zeit ist, ganz fluchs zu zahlen, der Kälte und den Behörden zu entfliehen und zurück zur Unterkunft zu gehen. Dies ist allerdings gar nicht so trivial, da wir dafür den ganzen Weg zurück bergauf gehen müssen, was wegen der dünnen Luft mit Schwindel und Schnappatmung quittiert wird.

Die Tour strapaziert Linas Wohlbefinden leider zu sehr, so dass Andi den Weg zu Georg alleine antritt und Lina sich eingemummelt in zig Decken dem kolumbianischen Fernsehprogramm widmet. Georg meint, dass das Taxi ans andere Ende der Stadt knapp eine Stunde benötigen wird und dafür ca. 6€ fällig werden. Erträglich. Nach ungefähr 40min sagt GoogleMaps zu Andi, (für den aufmerksamen Leser: nein, wir haben kein Guthaben mehr aufgeladen, das GB aus Santa Marta ist noch nicht aufgebraucht) dass es noch 500m sind. Georg meint, da es sich bei seiner Adresse um eine Seiten- und Einbahnstraße handelt, soll Andi aussteigen und zu Fuß gehen. Das will der Taxifahrer aber nicht und beruft sich darauf, einen guten Service zu liefern und Andi an der korrekten Zieladresse abzusetzen. Nach zig Irrwegen und weiteren 40min erreicht das Taxi endlich sein Ziel. Lina verfolgt das ganze über WhatsApp und wähnt Andi schon „Lost in Bogotá“, als die erlösende Nachricht kommt, dass er sein Ziel erreicht hat. Aber am Ziel heißt noch nicht bei Georg. Beim Eingang in das Wohnhaus, will der Portier erst mal Andis Ausweis sehen und tatsächlich, diesmal hat er eine Kopie dabei. Georg wohnt wirklich in einer sehr schönen Wohnung. Neben alten und aktuellen Geschichten, die sie in breitem Schwäbisch austauschen, trinken die aus Ehingen stammenden Menschen schwäbischen, äh männlichen Geschlechts, auch das ein oder andere Bier. Nicht mehr durstig machen sich Georg und Andi auf zum vereinbarten Treffpunkt mit Alberto, Georgs Arbeitskollege aus Spanien, der auch perfekt Deutsch spricht, und drei Frauen (puh, dass Lina nicht dabei ist). Anscheinend sind wir früh dran, so dass Georg noch einen kleinen Stop im Casino einlegt. Erst zögert Andi etwas, doch dann siegt seine Zockernatur und die beiden haben ordentlich Spaß beim Roulette und Black Jack. Am Ende gehen sie mit null auf null wieder aus dem Casino. Der Treffpukt ist ein Restaurant, welches gleichzeitig eine Art Disco ist. Andi kann mit dieser Information wenig anfangen. Beim Betreten des Wie-auch-immer-der-deutsche-name-sein-mag, wird Andi klar: Essen und Tanzen zu lauter Musik schließen sich in einem Raum nicht zwingend aus. Es ist ein wirklich sehr lustiger Abend und Georg überzeugt sowohl als Tänzer wie auch als Übersetzer. Sein Spanisch ist nach so kurzer Zeit (er ist seit Sommer erst in Kolumbien) schon wirklich sehr sehr gut und absolut fließend. Auch Andi wird zum Tanzen genötigt, was Lina später gar nicht lustig finden wird, da Andi anscheinend nie mit ihr tanzen würde. Nachdem die drei Frauen den Heimweg angetreten haben, trinken die drei Männer noch einen Absacker in einer Art Club, ehe Georg Andi in ein Taxi setzt und dem Taxifahrer erklärt, wo er seinen sehr müden Fahrgast abzusetzen hat. Andi wacht bei Ankunft wieder auf – alles wunderbar. Kurz nach 3Uhr ist eine vernünftige Schlafenszeit. Georg, danke für den geilen Abend!

02. Oktober 2015

Tour mit Georg

Da Andi gerade seinen Kater auskurieren muss, schickt er Lina alleine frühstücken. Er ist eben doch ein Gentleman. Gegen 12:30Uhr geht er dafür alleine los und holt die nun endlich wieder saubere Wäsche. Die kostet dann auch nicht 25, sondern 2,5€. Wir hätten auch die 25 bezahlt, so ist besser. Wir nehmen gemeinsam ein Taxi zu Georg und dieser Fahrer findet die Adresse auch auf Anhieb, da er uns die letzten Meter gehen lässt. Nun können sich auch Lina und Georg standesgemäß begrüßen. Georg tischt Empanadas (selber aus der TK aufgewärmt, dieser Gourmet) und kaltes Bier auf. Linas Mitbringsel, eine Flasche Wein, verschwindet in Georgs Kühlschrank. Sie soll mit uns Bier trinken. Macht sie, tapfer. Auch Lina ist sehr von Georgs Wohnung angetan. Leider regnet es kräftig, was Georg aber überhaupt nicht stört: „Das klart in 5min wieder auf. Ist hier immer so.“ Leider behält unser Local Hero nicht Recht und wir stapfen im Regen los, aber nicht bevor Georg Lina aufgrund ihrer Erkältung mit Halzschmerztabletten und Rei in der Tube ausgestattet hat, was uns schon seit langem fehlt, es aber nirgendwo zu kaufen gibt. Weitere homöopathische Mittel von Georgs Mama lehnt Lina ab, da sie nicht seinen ganzen Vorrat einsacken möchte und es gar nicht anders sein kann, als dass Georg sich bei diesem Sauwetter früher oder später mal erkältet. Zudem spendiert er einen Schirm, den Lina dankend annimmt. Georg will uns unbedingt seinen Arbeitsplatz zeigen. Der Glückliche erreicht diesen jeden Morgen nach einem kurzen Spaziergang und hat auch wirklich ein nettes, neues Büro, in dem es an nichts fehlt. Alberto ist der einzige, der noch im Büro sitzt und gerade Feierabend machen möchte. Nach etwas Smalltalk machen wir uns auf den Weg zur Bogotá Beer Company (BBC), wo wir auch eine Kleinigkeit essen und uns angeregt über Gott und die Welt unterhalten. Gestärkt geht Lina shoppen, während Georg und Andi sich um flüssigen Nachschub kümmern. Wieder zusammen, zeigt Lina den Männern stolz ihre neue Errungenschaft. Eine schwarze Jacke. Es ist ja schließlich auch kalt in Bogotá und es geht erst morgen früh auf die Galapagos-Inseln. Außerdem muss Lina noch 5 Rolex-Uhren, von verschiedensten, sehr seriösen Verkäufern, ausschlagen. Schade aber auch. Der weitere Weg führt uns ins Casino. Das Glück vom Vorabend wiederholt sich nicht und wir verzocken alle gekauften Jetons. Super gemacht Lina! Zwar schießt Georg noch ordentlich Jetons nach, wenn Lina mal wieder Pleite da steht, aber es hilft nichts! Alles was Georg und Andi reinholen verzockt Lina in Sekundenbruchteilen. Und da fragen wir uns ernstlich noch, warum wir bis dato keine Lottomillionäre sind. Weiterziehend wollen wir bei einem Straßenverkäufer Zigaretten holen. Dieser will 4.000 COP von uns, was uns, im Vergleich zum Supermarkt, zu teuer ist. Uns fällt auf, dass wir gar keine Kippen mehr haben und gehen zum nächsten Händler. Dieser will sogar 5.000 COP, was wir mürrisch bezahlen. Das haben wir mal wieder geschickt eingefädelt und richtig professionell gehandelt. Georg wird den ganzen Nachmittag/Abend nicht müde zu betonen, dass wir unbedingt auf den Berg Monserrate müssen, da wir ansonsten nicht wirklich in Bogotá gewesen seien. Wir vertrauen Georg selbstredend. Also geht es mit dem Taxi aus dem Ausgehviertel zurück in Richtung unserer Unterkunft, also ans andere Ende der Stadt. Beim Taxi, wie auch den ganzen Abend über, hat Georg seine Spendierhosen an. DANKE auch dafür, Georg! Am Fuße des Berges angekommen, nehmen wir eine sehr steile Zahnradbahn aus dem, gefühlt, vorletzten Jahrhundert, um nach oben zu kommen. Das sehr steil gilt auch in Bezug auf andere, in Skigebieten zum Einsatz kommende, Gondeln bzw. Lifte. Die leicht höhenkranke Lina steckt das problemlos weg, wohingegen Macho Andi relativ nervös wirkt. Am Ende der Bahn angekommen, haben wir noch einen kleinen Fußmarsch vor uns, ehe wir uns jetzt endlich auf 3.152m befinden und einen wirklich atemberaubenden Blick über Bogotá haben. Erneut tausend Dank, Georg!!! Die Stadt unter uns scheint in keine Richtung, in die wir blicken, aufzuhören und das Lichtermeer ist bezaubernd schön. Es ist wirklich sehr hübsch hier oben, aber auch windig und sehr sehr kalt. Wir kommen mit der Zahnradbahn wieder wohl behalten unten an und Georg will zu Fuß, zu unserer Unterkunft gehen. Das halten wir für keine gute Idee, da unsere Rezeption meinte, dass dieser Teil von Bogotá, also ab ungefähr 200m über unserem Hotel, nicht sehr sicher ist. Georg lenkt zähneknirschend ein. Dem Taxifahrer erzählen wir von unserer Diskussion, worauf er nur erwidert: „Um Gottes Willen, hier nur nicht laufen! Und schon gar nicht nach Sonnenuntergang!“ Georg verdreht nur die Augen. Wir sind eben im Hotel angekommen und Lina signalisiert, dass sie sofort schlafen muss. Sie ist noch nicht wirklich fit und wir müssen um 4:30Uhr aufstehen, um zum Flugahfen zu fahren. Georg und Andi begeben sich auf die Dachterrasse mit einem netten, aber nicht mit dem Monserrate zu vergleichenden, Blick über die Stadt und begießen das Ende der gemeinsamen Zeit mit einem weiteren Bierchen.

03. Oktober 2015

Der Wecker klingelt um 4:30Uhr. Wir schaffen es tatsächlich, weder den Wecker zu zertrümmern, noch die gereizte Morgen- und Schlafmangelstimmung an uns gegenseitig auszulassen. Die Vorfreude auf Galapagos ist viel zu groß. Und alles klappt reibungslos.

Die Zeit in Bogotá war kurz und intensiv!

Georg, wir sind Dir sehr zu Dank verpflichtet – es war geil!!! Und der Regenschirm, den wir eingesteckt haben, wird uns sicher noch gute Dienste erweisen.