Isla San Cristóbal / Kicker Rock

06. Oktober 2015

Mehr Bootsfahrt als Erkundungsausflug

Der Wecker klingelt. Es ist erst 6:30 Uhr, aber es hilft nichts, wir müssen aufstehen. Die frühe Uhrzeit wird mit ordentlichem Starkregen quittiert – einfach wunderbar. Heute geht es so früh los, weil unser Ziel, der Kicker Rock, vor der Insel San Cristóbal liegt. Diese Insel ist die östlichste der Galapagos Inselgruppe. Zum heutigen Treffpunkt direkt am Hafen von Puerto Ayora begleitet uns der Hund wieder. An sein, beim Laufen hochblickendes Gesicht und seinen freudezeigend wedelnden Schwanz kann man sich gewöhnen. Uns macht es jedenfalls Spaß, unseren Fußmarsch mit dem Hund zu bestreiten. Am Vorabend haben wir so etwas wie klebende Namensschilder im Tourenbüro bekommen. So wie wir die Schilder verstehen, sollen wir sie tragen, um erkannt zu werden. Wir wundern uns zwar etwas, dass auf beiden „Andy“ steht, aber das wird dann schon seine Richtigkeit haben. Denkste! Am Pier interessiert sich niemand für uns. Nach ratlosen fünf Minuten sieht Lina zufällig ein Boot, das „Andy“ heißt. Es wartet also niemand auf „Andy“, sondern wir müssen zum Boot, welches „Andy“ getauft wurde. Auf dem Weg über den Pier müssen wir noch an einer Art Grenzstation unsere Rucksäcke auf Produkte überprüfen lassen, die man entweder nicht nach San Cristóbal einführen oder nicht aus Santa Cruz ausführen darf. In unseren Rucksäcken wird nichts dergleichen gefunden. Wir sind eben in San Cristóbal angekommen, nachdem wir zwei Stunden absolute Horrorfahrt in den Knochen haben. Auf dem offenen Pazifik regnete und windete es stark, was unsere kleine Kokosnuss und unsere Mägen stark zum Schwanken brachte. Aber gut, erst mal ein Beruhigungszigarettchen. Wir wollen die ungesunden Dinger eben anstecken, als ein Mann relativ nervös auf uns zugerannt kommt und immer wieder „Kicker Rock“ sagt. Wir geben ihm zu verstehen, dass das unser heutiges Ziel sei. Daraufhin gestikuliert er, um uns zu verstehen zu geben, dass das Boot, welches uns dorthin bringen wird, bereits auf uns wartet. Gleich wieder aufs Boot. Läuft. Wir können genau eine Minute für die Zigarette aushandeln und ziehen gierig fünf bis sechs Mal daran, ehe wir uns auf das nächste Boot begeben. Die Fahrt ist dann auch keine fünfminütige Überfahrt, sondern es geht eine weitere Stunde zum Kicker Rock. Aber was lange währt wird endlich gut, wir sind angekommen. Was sich die letzten 20 Minuten schon beim Blick auf die Felsformation andeutete, bewahrheitet sich beim Ankersetzen direkt davor. Die Szenerie ist beeindruckend. Wir haben aber keine Zeit, dieses Panorama auf uns wirken zu lassen, sondern müssen uns direkt für den ersten Schnorchelgang bereitmachen. Linas Schnorchel funktioniert irgendwie nicht richtig. Unsicher bittet sie Andi im Wasser ihn ebenfalls zu testen. Tatsächlich, beim Atmen läuft Wasser ein. Lina meldet das und bekommt umgehend einen neuen. Leider wird es auch damit nicht besser. Der Guide kann es nicht fassen, erklärt Lina, dass er mit diesem Schnorchel täglich ins Wasser geht und das ein Profiprodukt sei. Lina reicht ihm den Schnorchel, er setzt ihn auf, versucht unter Wasser damit zu atmen und entschuldigt sich etwas beschämt bei Lina. Tatsächlich ist auch dieser Schnorchel defekt. Der dritte funktioniert dann aber und es kann losgehen. Durch das sehr bedeckte Wetter, ist das Wasser (gefühlt) noch kälter als an den Tagen davor. Zum Glück haben wir gestern im Office noch auf lange Wetsuits bestanden. Die machen es aushaltbar. Es sind wirklich viele Fische im Wasser, wenn die Sicht auch nicht mit der des vorangegangenen Tages mithalten kann. Andi ist etwas traurig, weil auch einige Taucher mit im Wasser sind und jetzt abtauchen. Später erfahren wir aber, dass der Spot aufgrund der starken Strömungen nicht für Anfänger geeignet ist. OK, also alles richtig gemacht. Wir Schnorcheln durch die verschiedenen Tunnel der Felsformationen, was wirklich riesigen Spaß macht. Wir lassen uns dabei von der Strömung mittreiben. Manche Tunnel sind nicht breiter als zwei Meter und links und rechts ragt der Berg über 50m aus dem Wasser. Als dann unter und neben uns etliche Robben sowohl vorbeischwimmen als uns auch auskundschaften, ist die Begeisterung auf dem Höhepunkt. Aufgrund der Kälte verlassen wir das Wasser nach ungefähr 20 Minuten schon wieder und an Board gibt es leckeren Zimttee zum Aufwärmen. Als die Guides zum zweiten Durchgang bitten, ist Lina schon nicht mehr so motiviert, erneut in die nasse Kälte zu steigen. Sie macht es trotzdem. Hier gibt es Schwärme von über 1.000 Fischen (sardinenartig). Trotz des Spektakels wählt Lina nach fünf Minuten die Wärme des Bootes. Bevor sich auch der zweite Durchgang dem Ende nähert, sieht Andi noch einen Hai und einige Schildkröten. Unser Guide ist top und das Wetter wird besser. Nach einem kleinen Mittagssnack fahren wir an einen menschenleeren Strand auf San Cristóbal. Der haut uns jetzt zwar nicht vom Hocker, aber die Sonne und das Ausruhen tun uns gut. Dann geht es zurück zur Fähre. Wir sind etwas traurig, dass wir keine Zeit haben, die eigentliche Insel zu erkunden, aber was nicht ist, ist nicht. Wir sind nun wieder heil in Santa Cruz angekommen, nachdem wir erneut die zweistündige Tortur der Überfahrt über uns ergehen lassen mussten. Aus diesem Grund packen wir uns auch direkt ins Il Giardino und essen Burger (Andi) und Pork Rips (Lina). Das Fazit vom heutigen Tag fällt gemischt aus. Auf der einen Seite, war der Kicker Rock und die dazugehörige Wasserwelt ein echtes Highlight, auf der anderen Seite darf man sich allerdings fragen, ob die 40 Minuten im Wasser und die Aussicht, sechs Stunden (Horror-) Bootsfahrt rechtfertigen. Was meinst Du? Darüber hinaus stehen das (für uns extrem) frühe Aufstehen, der teure Preis und dass der Strand am frühen Nachmittag nichts Besonders war auf der Negativseite. Wer diesen Ausflug macht, sollte aus unserer Sicht auf jeden Fall eine Nacht auf San Cristóbal verbringen, um sich die Insel anzuschauen und das süße Städtchen zu erkunden.

Trotzdem freuen wir uns auf morgen und sind schon gespannt auf Plaza Sur.