08. Oktober 2015
Horror Anreise und Freizeit
Wie bisher immer auf den Galapagos, klingelt der Wecker auch heute wieder früh. Nachdem wir lange überlegt hatten, ob wir aus unserer Unterkunft hier in Puerto Ayora auschecken sollen, oder doch unser Gepäck für die eine Nacht auf der Isla Santa Cruz lassen, haben wir uns entschieden auszuchecken und unser Hab und Gut mitzunehmen. Angesichts der Backpacks und der frühen Morgenstunden sowie dem eher schlechten Wetter hält sich unsere Lust in Grenzen, den Weg zum kleinen Hafen zu gehen. Andi darf in seinem fließenden Spanisch die nette Rezeptionistin bitten, ein Taxi für uns zu organisieren. Es sind fünf Minuten vergangen und wir sitzen auch schon im Auto. Der Luxus dauert dann auch nur drei Minuten, ehe wir unser Etappenziel erreicht haben un unsere Backpacks nach verdächtigen Material durchsucht werden. Das Boot, das uns zur Isla Isabella bringt, ist mal wieder eine kleine Nussschale mit zwei 150PS-Motoren von Suzuki. Der Seegang ist heute noch rauer als er das bei unserer Überfahrt nach San Cristóbal war. Dies befördert den Mageninhalt von drei Passagieren zutage. Dieser Kelch geht dank Vomex (wieder Dank an Corinna für den Medizintipp) an uns vorbei. Schön anzuschauen ist trotzdem anders. Da wir dem Treibstoffgeruch auf den hinteren Plätzen heute entfliehen wollen, sitzen wir weiter vorne im Boot. Auch kein guter Platz. Die 300PS sind stets im Wasser und der vordere Teil des Bootes hüpft vor Freude auf den Wellen. Der Kopf landet das ein oder andere Mal an der Decke, damit im nächsten Moment der Po wieder auf der harten Sitzbank aufschlagen kann und Lina zieht sich einige blaue Flecken zu. Um dem Unbehagen im Magen und der Langeweile auf dem Boot zu entgehen, entschließt sich der Körper früher oder später bei vielen in einen unruhigen Schlaf zu fallen. Durch das Gefälle an Bord, kann es passieren, dass man dabei in die abgeneigte Richtung fällt und selig an der Schulter eines völlig Unbekannten schlummert. Dies passiert der Dame uns gegenüber, was Lina sehr amüsant findet, vor allem als die Dame erwacht und ihren Fauxpas bemerkt. Keine 10 Minuten später träumt Lina selig an der Schulter ihres Sitznachbarn, der nicht Andi heißt. Das wiederum erheitert all diejenigen, die Linas Schadenfreude zuvor mitbekommen haben sehr. Aber auch diese Herausforderungen meistern wir und kommen gesund an. Zur Begrüßung stehen die Seelöwen Spalier. Schon irre. Wir fahren in unsere kleine Backpacker-Lodge, in der wir für 15$ p.P. (hatten wir eigentlich schon erwähnt, dass der US Dollar hier offizielles Zahlungsmittel ist und man ihn auch an den Bankautomaten zieht?) einen kleinen Bungalow bei einer netten lokalen Familie im Garten beziehen. Tatsächlich haben wir jetzt keine Exkursion (so nennen die Anbieter hier ihre Ausflüge. Wir kommen uns bei dem Wort wieder als junge Studenten vor: „wir gehen auf Exkursion.“) und somit Freizeit bis wir morgen früh um 08:00Uhr zur nächsten abgeholt werden. Dementsprechend machen wir uns auf den Weg, um unsere Umgebung zu erkunden. Die „Straßen“ sind hier alle aus Sand, weswegen wir beschließen, dass wir unsere Tour dann auch gleich am Strand machen können. Wir haben Hunger. Nach ein paar relativ leeren Sitzplätzen mit Speisekarte, finden wir eine kleine Barracke, in der Einheimische essen („Sitzplätze“ weil man das nach deutschem Verständnis nicht Restaurant nennen kann). Wir bestellen Sandwiches und schon bei der Bestellung schaut uns unsere Bedienung recht doof an. Als ein neuer Gast das menú del día bestellt, fällt uns auf, dass alle um uns herum Suppe, Fisch mit Reis oder eine Creme essen. Ebenso unser Tischnachbar. Dazu gibt es offenbar noch selbstgemachte Orangenlimonade. Die enthält man uns aber nicht vor und die Bedienung sagt, dass dieses auf das Haus gehe. Beim Zahlen fällt dann auch buchstäblich der letzte Groschen, weil ein Sandwich so viel kostet wie zwei Tagesmenüs. Wir sind aber auch was clever. Vom Mittagessen gestärkt gehen wir nun zu den Galapagos Riesen(land)schildkröten. Die Tierchen wollten wir schon immer mal sehen, spätestens aber seit den Berichten des Todes von Lonesome George. In der Aufzuchtstation angekommen, sind die Tiere auch wirklich beachtlich. Riesengroß und anmutig. Wirklich auf Aktionismus sind sie nicht getrimmt, Überraschung. So schauen wir uns die Schildkröten eine Stunde lange an und genießen die Zeit so gut wie allein mit den Tieren. Auf dem ungefähr zwei Kilometer langen Rückweg sehen wir noch einige Flamingos in einem See. Ja, hier ist es wirklich schön. Leider blieben bei unseren Exkursionen die täglichen Dinge, um die man auch auf Reisen nicht kommt, etwas auf der Strecke, so dass wir nun notgedrungen waschen müssen. Die Zwischenzeit vertreiben wir uns mit ein paar Runden Backgammon im Garten unserer Gastgeber, während die Mama neben uns mit ihrer Tochter Schulaufgaben macht. Zum Glück haben wir das hinter uns. Aber es ist eine wirklich schöne, heimelige Atmosphäre. Andis kleine Schwester wohnt momentan in Washington D.C. und liegt damit in der Zeit vor uns, dort ist es jetzt schon Abend. Warum wir das schreiben? Weil sie uns lecker Pizza-Bilder schickt und wir jetzt so Lust darauf haben, dass wir uns dazu entscheiden abends zum Pizaaessen zu gehen. Dies stellt sich (für Andi) als gute Wahl heraus. Einerseits ist Andis Pizza, im Gegensatz zu Linas, sehr lecker und andererseits hat das Lokal einen großen Fernseher aufgebaut. Während Europa noch um die Tickets zur Fußball Europameisterschaft 2016 in Frankreich buhlt, beginnt heute die WM-Qualifikation für Russland 2018 in Südamerika. Aus hiesiger Sicht kommt es dabei zum Knaller, da La Tri (so nennt Equador liebevoll seine Elf) auswärts gegen Argentinien anzutreten hat. Als La Tri jenseits der 80. Minute kurz nacheinander die beiden Tore zum 2:0-Auswärtssieg schießt, drehen hier alle durch. Lautes Geschrei, Jubeltänze, sich umarmende Menschen und hupende Autos auf der (Sand-) Straße. Das reißt richtig mit.
- Ohne Worte…
- Strand von Puerto Villamil
- Erst mal etwas leckeres Essen
- Ganz wichtig: Dehnen
- War das kein Frühstart?
- Hab dich gleich
- War ein gutes Rennen, oder?
- Ausdehnen und essen gleichzeitig
- Und für die Muskeln noch in Whirlpool
- Ich seh schon gut aus
- Nächstes Mal gewinne ich
- Boah, war das anstrengend
- Verrückter Schnabel
- Verrückter Schnabel
- Flamingos
- Wer vervollständigt das Herz?
- Uns geht’s gut
- Super Tag
- Zeitgenosse mit großer Schwanzfeder
09. Oktober 2015
Schöne Isla Isabella
Täglich grüßt das Murmeltier, der Wecker klingelt früh. Eben sind wir beide aus dem Bad und beginnen unsere Rucksäcke zu packen. Heute Nacht schlafen wir ja wieder auf Santa Cruz. Wir sind gut in der Zeit, es ist 7:30Uhr und um 08:00Uhr werden wir zur Tour abgeholt. Plötzlich klopft es an unserer Tür und die Personen, die uns abholen wollen, stehen wartend bereit. Nach kurzer Diskussion, erklären wir, dass wir uns beeilen werden und schnellstmöglich rauskommen. Beim Wiedereintritt in den kleinen Bungalow quittiert Lina diesen Morgenstress mit einem herzlichen und sehr lauten „Fuck Off!“ Und anderen Flüchen. Wir schaffen es dann doch, unsere Rucksäcke zu packen und werden zu einer Tauchschule gekarrt, in der wir kurze Wetsuits, Flossen sowie Masken&Schnorchel erhalten. Auf die Frage nach langen Wetsuits, erklärt man uns: „Of course, no problem. Just 10 Dollars.“ Irgendwie schafft diese Aussage es nicht, Linas Stimmungsbild aufzuhellen, da in der Tour eigentlich alles inklusive sein sollte, weswegen Andi die fälligen 20$ schnell bezahlt und Lina zur Anprobe bittet. Ausrüstung und Gepäck verstaut, geht es jetzt auch endlich los. Die Fahrt von Puerto Villamil zu unserem ersten Ziel, Los Túneles, dauert ungefähr 45 Minuen und ist wieder ziemlich stürmisch. Irgendwie kann man den Pazifik nicht so recht mit der Isar vergleichen. Es ist auch gar nicht sicher, dass wir die Tunnel erreichen können, da davor hohe Wellen schlagen und die Exkursionen das immer spontan und wenn in Sicht entscheiden, sagt unser Kapitän. Wir schauen uns die (wirklich sehr hohen) Wellen an und sind uns sicher, dass das heute nichts wird. Der Captain ist unschlüssig, da auch am Tag zuvor die Anreise nicht möglich war, beschließt dann aber, es zu „versuchen“. Na ob hier „Try and Error“ die richtige Methode ist? Das erscheint uns wenigstens fragwürdig. Aber gut, wir sind hier nicht die Entscheider. Es geht los und schon nach wenigen Sekunden hat jeder Passagier einen eher angestrengten als aufgeregten Blick. Nach zwei weiteren Minuten findet Andi tatsächlich Spaß an der Achterbahnfahrt inklusive Dusche und zieht dadurch etliche freundliche Blicke auf sich. Egal, es ist geschafft und Los Túneles ein echtes Highlight. Die Landschaft ist unbeschreiblich. Es haben sich durch das Meer unzählige Tunnel im Lavagestein gebildet. Die Farbe des Meeres ist atemberaubend und wir kommen den Blue-footed Booby (Blaufußtölpel) und Pinguinen bis auf Armlänge nah. Darüber hinaus ziehen die gerade auch noch ein Junges auf. Wirklich extrem schön hier. Als nächster Punkt steht Schnorcheln auf dem Programm. Der Weg aus den Wellen steht dabei der Einfahrt in nichts nach. Auch Unterwasser ist es hier ein absolutes Highlight. Das Wasser ist an vielen Stellen sehr flach und das Durchschwimmen von Korallenkanälen bisweilen herausfordernd. Aber es lohnt sich! U.a. sehen wir viele Schildkröten, Stachelrochen und Haie sowie zum Abschluss Seepferdchen. Zurück in Puerto Villamil angekommen, entspannen wir uns am Strand mit einem Bierchen und in direkter Gegenwart von zig Seelöwen und warten auf unser Boot zurück nach Santa Cruz. Der perfekte Ausklang für einen wunderschönen Kurztrip zur Isla Isabella. Die Fahrt vergeht dieses Mal wie im Fluge, da wir uns angeregt mit einem französischen und einem irischen Pärchen, ok hier ist es ziemlich bescheiden, dass wir 1:0 in Irland verloren haben, unterhalten. Beide sind über ein Jahr unterwegs und haben verschiedene Modelle. In Frankreich gibt es ein Gesetz, welches für den Arbeitnehmer sicherstellt, dass er nach einer gewissen Arbeitsdauer ein Jahr Auszeit nehmen darf. Spätestens den zweiten Antrag muss der Arbeitgeber genehmigen. Die Iren haben jeweils ein Jahr unbezahlten Urlaub, haben gespart und können danach zurück in ihre Jobs. Auch gut. Wir sind ebenfalls froh, dass unser Arbeitgeber uns das auch ermöglicht hat. Obwohl beide Pärchen über doppelt so lange unterwegs sind wie wir, sind sie auf unseren Stop in der Südsee / Tahiti eifersüchtig. Bald ist es so weit. Zum Abschluss gehen wir noch gut Essen und fallen anschließend erschöpft aber glücklich ins Bett.
- Irgendwo im Nirgendwo
- Ich bin der Bluefoot der Welt!
- Surreal trotz Wolken
- Die kleinsten Pinguine der Welt
- Vulkanlandschaft im Wasser
- Durch fließende Lava erschaffene…
- …“Lava-Tunnels“
- Tunnel-Selfie
- Der Seelöwe hat auch was zu sagen
- Blue-footed Booby mit Baby
- Eltern: „Hat er Hunger?“
- „Scheint so, ich füttere mal.“
- Und Andi so: „Alles okaaaay“
- Meeresschildkröte ganz nah
- …und noch näher
- … und noch näher
- Pinguin Fotobomb
- Menschen (Andi) chillen mit Seelöwen
- …oder chillen Seelöwen mit Menschen (Lina)?
- Galapagos-Regel: Bank für Seelöwen, Hängematte für Menschen
10. Oktober 2015
Aufbruch zu den Stars und Sternchen
Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker. Wir müssen ja nicht wieder erwähnen, dass wir in Galapagos immer früh aufstehen. Jetzt wird es über Guayaquil und Miami nach Los Angeles gehen. Wir verbringen also den ganzen Tag in der Luft oder an Flughäfen. Aber das schockiert uns nicht mehr. Wundert ihr euch über den Zwischenstopp Miami? Haben wir bei Buchung auch. Das war aber mit 16 Stunden Reisezeit die mit Abstand schnellste Verbindung und dabei auch noch 50€ günstiger als die sinnvolle Verbindung, welche über Mexico City geflogen wäre und 33 Stunden gedauert hätte. So machen wir uns auf den Weg mit gemischten Gefühlen. War Galapagos das Geld wert, das wir hiergelassen haben (und das war bei Weitem nicht wenig)? Wir freuen uns auf jeden Fall auf Sonne, die hier doch ein Wenig kurz gekommen ist.






































