27. Oktober 2015
Unser Eindruck der Hauptstadt – nicht wirklich paradiesisch
Wir landen sehr angenehm und überlegen, wie wir jetzt in unser Guesthouse kommen. Pauline bekommt das mit und bietet uns an, dass sie von ihrer Gast-Mama abgeholt wird und diese uns sicherlich mitnehmen kann. Bestens! So ein Angebot zu kostenlosem Transfer schlägt man natürlich nicht aus. Da die Frau noch nicht da ist, setzen wir uns in ein Flughafen-Café. Einige viele, viele, viele Minuten sind vergangen, da erscheinen zwei Damen, die Pauline überschwänglich begrüßen. Sie stellt uns vor. Als jedoch klar wird, dass unser Französisch nicht fließend ist, findet das Gespräch zwischen Pauline und den beiden Frauen statt. Weitere 30min später überlegen wir, ob wir uns nicht doch einen öffentlichen Transfer oder Taxi organisieren sollen. Wir entschließen uns dagegen, wir wollen ja nicht unhöflich erscheinen. Nochmals 15min später erscheint Paulines Gast-Mutti mit ihrem cirka 8 Jahre alten Sohn. Der Sohn setzt sich gelangweilt neben uns und die mittlerweile vier Frauen machen aus dem „Abholen“ ein wahres Happening. Ein Kaffee-Pläuschchen geht immer – und scheinbar auch überall. Nach weiteren schier endlosen Minuten, wir fühlen uns mittlerweile recht fehl am Platz, geht es los zu unserer Unterkunft. Ach, doch nicht. Auch die Mama bestelllt sich erst mal noch ein Getränk. Zum Glück läuft auf einer überdimensionalen Leinwand ein Video über einen abgewandelten Triathlon hier auf Tahiti. Das beschäftigt zumindest Andi. Zwischenzeitlich entschuldigt sich Pauline mehrmals dafür, dass es so lange dauert. Wir beteuern jedes Mal, dass das kein Problem ist. Und ist es ja auch wirklich nicht. Nach einer weiteren Stunde geht es dann aber wirklich los. Wir haben einen ordentlichen Weg vor uns, da außerhalb des Flughafens geparkt wurde, um Kosten zu sparen. Am Auto angekommen (ein cooler alter, knattriger Peugeot) darf Andi vorne sitzen und gibt die Adresse durch. Leider ist diese nicht bekannt, aber alle vermuten die ungefähre Richtung zu kennen. Uns wird jetzt also erstmals ein Eindruck von Papeete, der Hauptstadt Französisch Polynesiens, zuteil. Es ist hier wirklich nicht schön, aber wo ist es das in einer Stadt von der Straße aus gesehen schon? Wir wollen uns später zu Fuß einen besseren Eindruck machen. Zuerst sollten wir aber ankommen. Doch wir finden die Adresse, die Lina aus ihrem Handy herauskramt, leider nicht. Die Gast-Mama gibt aber dankenswerterweise nicht auf, fragt sich durch und gibt uns auch gleich Tipps, wo wir abends nicht alleine gehen sollen. Wir fahren noch einen Kreis und stehen schon wieder in der gleichen Straße. Als wir das bemerken, biegen wir anders ab und et voilà, da ist es: das Guesthouse Ahitea Lodge. Juhu! Die Unterkunft ist nett und wir werden von der Hausbesitzer-Familie, die das Guesthouse führt und mit vier Generationen selbst darin wohnt, herzlich empfangen. In der öffentlichen Guesthouse-Küche findet gerade das Abendessen mit der Familie statt und jeder wird persönlich begrüßt. Das zugewiesene Zimmer ist sauber, praktisch und wir werden bis zur Türe begleitet. Es ist zwar mit knapp 90€ pro Nacht die günstigste Unterkunft in der Südsee und für hiesige Verhältnisse ein wahres Schnäppchen, aber für diesen Preis bekommt man an den meisten anderen Orten der Welt, zumindest an denen, die wir bis jetzt kennen, bereits ein Luxuszimmer. Na gut, wir sind auch nicht in der Südsee um Geld zu sparen. Wir erholen uns jetzt kurz und springen unter die Dusche, bevor wir unseren typischen Erkundungswalk machen. Es ist bereits dunkel und unsere Unterkunft liegt, diplomatisch ausgedrückt, nicht in Bestlage, so dass die ersten Schritte recht zügig vonstatten gehen. Wir müssen eine wenig beleuchtete Hauptstraße ohne Gehweg entlanggehen um Richtung Innenstadt/ Hafen zu gelangen. Mittlerweile sieht man wenige schönere alte Gebäude, aber größtenteils sieht es hier recht lieblos und heruntergekommen aus. Man hat uns zwar vorgewarnt, dass Papeete weder ein Spiegelbild der Südsee, noch einen (längeren) Aufenthalt wert ist, aber irgendwie hatten wir trotzdem mehr bzw. mehr Schönes erwartet. Viele südsee-atypische, vermutlich aus den 1970er Jahren stammende, mehrere Stockwerke hohe Gebäude später packt uns der Hunger. Wobei uns auf dem Weg durch das Zentrum die Kathedrale ganz gut gefällt. Ein Foto ist sie aber irgendwie nicht wert. Pauline meinte, dass in Papeete nicht nur der einzige McDonalds Französisch Polynesiens steht, sondern dass dies auch der größte Frankreichs sei. Das glauben wir, jetzt da wir ihn sehen, zwar nicht, aber da er eben so atypisch für die Südsee ist, wie das was wir von dieser Stadt bisher gesehen haben, ist eine Einkehr dort nun Pflicht. Zudem herrscht appetitsmäßig eher Fisch-Overkill. Geschmacklich kann dieser Ausflug allerdings nicht überzeugen. Das mit dem Fleisch scheint hier einfach nicht so das Ding zu sein. Trotzdem voll gestärkt machen wir uns auf den Rückweg, dem natürlich eine andere Route zugrunde liegen soll, als beim Hinweg. Wir gehen also am Hafen und dem Meer entlang, beobachten einen Markt aus Foodtrucks und befinden diesen Weg als deutlich schöner. Weniger schön ist, dass wir nicht mehr genau wissen, wo wir hin müssen. Die Gegend wird auch eher wieder dunkel und die Straße säumen eher zwielichtige Bars. Wir entdecken eine Straßenkontrolle und fragen einen Polizisten kurzerhand wo unser Straße liegt. Dieser schaut erst verdutzt über unsere Störung, erklärt uns dann aber im langsamsten Französisch, das wir je von einem Muttersprachler gehört haben, mit einem kleinen Lächeln den Weg. Sehr nett und gut, dass wir droit und gauche unterscheiden können. Auf dem weiteren Weg an kläffenden, aber glücklicherweise angeketteten Hunden und einigen skurrilen Gestalten vorbei, fällt uns auf, dass der Tag mittlerweile doch recht lang ist. Zurück im Guesthouse geht es dementsprechend auch direkt ins Bett. Aber nicht ohne dabei eine ordentliche Brise Vorfreude auf Moorea zu haben.
- Aussicht von unserer Terrasse
- Sonnenuntergang auf unserer Terrasse
28. Oktober
Reise-Novum: Mit dem Schiff zum nächsten Ziel
Der Wecker klingelt um 07:00Uhr, da wir um 08:30Uhr los zum Hafen wollen. Davor muss noch Zeit für Packen, Frühstücken und Kaffee auf der Terrasse sein. Beim Frühstück hören wir, wie ein älteres Pärchen auf 08:30Uhr einen Transfer zum Hafen ordert. Das ist ein guter Tag. Da hängen wir uns gleich dran. Tatsächlich wollen sie die Hälfte des Fahrpreises nicht und so gelangen wir wieder umsonst von A nach B. Wir bedanken uns am Hafen höflich und gehen Tickets für die Überfahrt von Tahiti nach Moorea kaufen. Anschließend bringen wir unsere Rucksäcke zum Drop-Off, der uns deutlich größer als der am Flughafen vorkommt, und holen uns einen Kaffee. Kurz darauf heißt es ab auf’s Schiff.
- Von hier kommen wir
- und da wollen wir jetzt hin!



