Maupiti

23. Oktober 2015

Ja wo ist es denn nur abgeblieben?

Wir heben mit wenigen Minuten Verspätung von Bora Bora ab und der Himmel zieht auf. Das ermöglicht es uns, noch letzte wunderschöne Eindrücke aus der Luft von der Trauminsel zu gewinnen. Maupiti ist zwar die westliche Nachbarinsel von Bora Bora, aber es gibt keinen Direktflug, zumindest nicht heute. So fliegen wir erst einmal gute 20 Minuten nach Raiatea, was noch näher an Bora Bora liegt, jedoch in (süd-) östlicher Richtung. In Raiatea werden wir nur Transitpassagiere sein, da es diese Südseeinsel in der Vorauswahl, nicht in unsere zu besuchende Top Five geschafft hat. Wir landen mit etwas Verspätung in Raiatea und sind die einzigen Passagiere die hier aussteigen. Das Flugzeug fliegt weiter nach Tahiti und so steigen eigentlich nur Menschen zu statt aus. Wir gehen also in Richtung Terminal. Aber noch bevor wir dieses erreichen kommt eine stämmige Dame wild gestikulierend auf uns zu, und bedeutet uns zu einem Flugzeug zu laufen, welches mitten auf dem Rollfeld steht. Wir scheinen spät dran zu sein. Andi fragt nach unserem Gepäck und ob das dann schon rechtzeitig in den anderen Flieger gebracht werden kann. Dieser sieht nämlich schon startklar aus. „No worries! Your luggage will be with you!“ ist die deutliche und beruhigende Antwort der Flughafenfachfrau. Also gut. Wir steigen ins Flugzeug ein und alle Blicke richten sich auf uns. Wir sind die letzten fehlenden Passagiere und man wartet nur noch auf uns. Mit einem zögerlichen „Excusez-nous“ setzen wir uns schnell auf zwei freie Plätze des Minifliegers (Typ: ATR 72). Wir trauen der ganzen Chose um unser Gepäck nicht so richtig. Aus dem Fenster sehen wir zwar, dass das Flugzeug noch beladen wird, aber unsere Rucksäcke entdecken wir nicht unter den wenigen einzuladenden Gegenständen, die auch irgendwie nicht nach Passagiergepäck aussehen. Nun gut, wir beschließen trotzdem, nicht beim Flugpersonal nachzuhaken. Wird schon gut gehen, ging es ja bis jetzt immer.

Der Anflug auf Maupiti ist einmal mehr eine Augenweide und wir können es kaum erwarten, in die abgefahrenen Farben unter uns einzutauchen. Der Flughafen liegt wie auf Bora Bora auf einem Motu (das nordöstliche Motu Tuanai). Nach einer sicheren Landung werden wir im Flughafenhäuschen auch schon vom Besitzer unserer Unterkunft erwartet, der Lina ein wenig an eine linkische Ratte erinnert. Mit Englisch kommen wir bei ihm nicht weiter, das merken wir schnell. Nach einer kurzen Begrüßung warten wir auf unser Gepäck. Ja wo ist es denn? Nun ja, wir warten ganz schön lange und eigentlich jeder hat schon sein Gepäck und macht sich auf den Weg. Wir hoffen und bangen und nein, es kommt nicht mehr. Wir gehen also zum Schalter. Dieser ist zwei Meter neben der Gepäckausgabe. Beides nur durch ein Strohdach vom freien Himmel getrennt und nach drei Seiten offen. Die Dame von der Airline kann sich ein Lachen nicht verkneifen, was uns beinahe zur Weißglut treibt. Aber gut, nach einem kurzen Telefonat schildert sie uns, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, unser Gepäck sei sicher in Raiatea und übermorgen, am Sonntag um 16:00 Uhr, wird es ankommen, da dann der nächste Flieger auf Maupiti landet. Wunderbar. Alles ist sogar so toll, dass wir pro Tag und Person 5.000 Polynesische Franc für unsere nicht angekommenen Rucksäcke erhalten sollen. Also 20.000 CFP, was knapp 170€ entspricht. Nichts ist toll! Wir haben im Handgepäck keine Hygieneartikel, keine (Bade-) Wäsche, nichts um Kontaktlinsen zu reinigen usw. – der totale Supergau. Wir lassen also nicht locker und erklären der Dame, dass wir jetzt unmöglich zwei Tage auf unser Gepäck warten können. Schließlich sind wir auch nur vier Nächte hier. Die Überzeugungsarbeit dauert ein wenig, da die Dame nur gebrochen Englisch spricht und wir unser Französich nicht als verhandlungssicher bezeichnen würden. Sie telefoniert und telefoniert und telefoniert, mit wem auch immer. Mittlerweile ist über eine Stunde vergangen und mit stolzgeschwellter Brust verkündet uns die Dame, dass das Gepäck morgen früh gegen 09:00 Uhr an unserer Unterkunft abgeliefert werden wird. Da es mittlerweile nach halb fünf ist, sind wir mit dieser Auskunft mehr als zufrieden. Ehe wir zu unserer Unterkunft aufbrechen, auch unser Fahrer ist schon ziemlich ungeduldig, bekommen wir noch 10.000 CFP für unsere nicht angekommenen Rucksäcke; unbürokratisch in bar versteht sich. Wir steigen in ein kleines Motorboot und fahren an der Hauptinsel vorbei auf „unser“ Motu, welches von der Hauptinsel aus gesehen, südöstlich liegt und (Motu) Tiapaa heißt. Die cirka halbstündige Fahrt ist schon sehr beeindruckend und das Wasser erneut kristallklar. Da wir bei Ankunft nichts auspacken müssen bzw. können, setzen wir uns mit einem Getränk auf die Veranda und genießen den wunderschönen Ausblick. Kurz danach gibt es Abendessen. Es ist ein 3 Gängemenü, von der Herbergsdame persönlich zubereitet. Es gibt köstliches Sashimi und verschiedene Salate aus rohem Fisch zur Vorspeise und danach gebratenen Fisch und Reis. Die Nachspeise, einen Kuchen, schaffen wir dann schon fast nicht mehr, wollen uns aber nicht unbeliebt machen und etwas übrig lassen. Zum Glück hilft uns ein kleiner Gecko, der den Kuchen mindestens genauso lecker findet wie wir und sich auf Linas Teller den Bauch voll schlägt. Wir haben hier volle Verpflegung, da es auf dem Motu nichts gibt. Also weder ein Restaurant, eine Bar noch einen Supermarkt. Es gibt nur die vier Bungalows unserer Gastgeberin und vielleicht noch 10 weitere Hüttchen. Wir reden nach dem Essen noch etwas mit der Dame, wobei das relativ schwierig ist, weil unser Französisch holpert und sie von der englischen Sprache maximal schon mal gehört hat. So ziehen wir uns sehr müde in unseren Bungalow zurück und wollen nur noch schlafen. Je schneller desto besser, da morgen früh ja unser Gepäck kommt, wir uns endlich waschen und anschließend ins Wasser können. Die Vorfreude ist groß – gute Nacht.

24. Oktober 2015

Ja da ist es ja

Wir stehen auf und direkt als Andi auf die Veranda geht ruft die Besitzern: „Lina, à table!“ Es gibt also direkt Frühstück, dabei ist es gerade erst kurz nach acht. Außer uns nennt eine weitere Familie diese Unterkunft ihr vorübergehendes Zuhause. Diese sitzt bereits an einem der drei Tische. Der Essbereich ist Open Air, jedoch mit einem Dach geschützt vor Regen. Wir blicken auf die wundervolle Südsee und „genießen“ wieder das typisch französische Frühstück. Also alles süß, aber lecker und frisch. Wir greifen kräftig zu und obwohl es genug gibt, sieht es nicht so aus, als ob das Raubtier Lina durch Croissant, Marmelade und Obst richtig zu befriedigen ist. OK, vielleicht wird es mit Kaffee und Zigarette besser. Mit unserem Kaffee ziehen wir uns also auf unsere Veranda zurück. Dort sitzen wir ein Weilchen, aber ehe wir ins Grübeln kommen, ob unser Gepäck nun auch pünktlich ankommen wird, fährt der Besitzer, der uns gestern vom Flughafen abgeholt hat, mit dem Boot vor. Er hat tatsächlich unser Gepäck bereits dabei. Ja, da ist es ja! Andi stürmt ihm entgegen und wir tragen die Backpacks in unseren Bungalow. Wir gehen beide direkt ins Bad – endlich waschen. Anschließend packen wir aus und machen unser Häuschen wohnlicher. Gut, genug Zeit ist vergangen. Sonnencreme drauf, Badesachen an und ab dafür. Wir gehen die 10 Meter von unserer Unterkunft zum Wasser. Natürlich bewaffnet mit Taucherbrille und Schnorchel. Das Wasser ist herrlich warm und klar, nur an Fischen mangelt es hier für unseren Geschmack sehr deutlich. Die andere Familie gibt uns den Hinweis, dass es tolle Korallen und Fische auf der anderen Seite des Motus gibt, also nicht auf der Lagunen-, sondern der Südseeseite. Wir marschieren also, mit der Schnorchelausrüstung auf dem Kopf, die West-Ost-Ausdehnung des Motu entlang, hin zur Seeseite. Das kostet uns geschlagene fünf Minuten. Herrlich. Hier gibt es dann auch tatsächlich Korallen und viele Fische. Es ist toll, wirklich, aber im Vergleich zum Fischreichtum und der Fischvielfalt vor Huahine und Bora Bora nicht ganz so reichhaltig und divers. Trotzdem verbringen wir die nächste Stunde im Wasser. Kurz bevor das Wachstum der Schwimmhäute beginnt, machen wir uns auf den Weg zurück. Vom Prinzip ist es ähnlich wie auf Bora Bora: auf einer Seite der/das endlos flach abfallende Strand/Meer und auf der anderen der Schnorchelplatz. Zurück fragt uns die Chefin, ob wir nachher hier Mittagessen möchten oder lieber zu einem traditionell polynesischen Mittagessen gehen wollen. Wir denken, die Antwort ist klar. Als die Zeit so weit ist, machen wir uns auf den Weg, an der Westküste des Motus entlang nach Norden. Wir haben schon die Angst, die Wegbeschreibung unserer Dame nicht richtig verstanden zu haben und das Essen nicht zu finden. Das wäre tatsächlich dramatisch, da Lina wirklich hungrig ist und sehr bald endlich etwas Herzhaftes benötigt. Aber so ist es nicht, wir sehen viele Einheimische und auch einige andere Touristen. Wir werden Zeuge, wie die Polynesier ihr traditionelles Essen verarbeiten. Die Süßkartoffeln, Hühnchen, Fisch, Gemüse (Kochbanane) usw. sind in Körben unter der Erde, welche oben und unten durch Bananenblätter von Schmutz geschützt werden. In diesem Erdloch liegen zuunterst kokelnde Kokosnüsse. Da wir etwas spät dran sind, sehen wir das Prozedere des Abdeckens und Herausholens des Essen nur aus der zweiten Reihe. Es sind ein paar Tische und Plastikstühle im Sand aufgestellt. Wir suchen uns einen Platz und besorgen uns ein Getränk. Das Essen wird nun ausgegeben und jeder der den Pauschalbetrag entrichtet hat, darf sich anstellen. Mit vollen Tellern kehren wir an unseren Platz zurück. Es gibt kein Besteck und wir fragen uns, wie wir das teils soßige Essen ohne Besteck verspeisen sollen. Andi geht also los und fragt nach Besteck. Er wird ausgelacht und bekommt erklärt, dass man das alles mit der Hand ist, auch beispielsweise den Salat. OK, es ist wie es ist und wir essen. Die Kochbanane ist leider nicht lecker, die Lippenmuscheln sind es, aber von der Konsistenz etwas zweifelhaft. Allgemein haben wir wirklich Probleme mit dieser Mahlzeit, nicht nur technisch mit der Nahrungsaufnahme ohne europäisches Werkzeug, sondern auch damit, dass das Essen nicht wirklich durch ist und der Rauchgeschmack sehr intensiv ist. Dazu kommt, dass die Polynesier große Teile des Fischangebots vorher verderben lassen (ähnlich wie die Spezialität in Schweden). Ohne die Teller vollends zu leeren gehen wir zurück zur Unterkunft, Lina ist nun schlecht. Wir verbringen den Nachmittag mit anstrengender Entspannung, unterbrochen von gelegentlichen Abkühlungen in der Südsee. Alles könnte so schön sein, wenn es Lina nicht zunehmends schlechter gehen würde. Zum Glück gibt es gleich Abendessen. Zur Abwechslung Fisch satt. Lina greift, den ganzen Tag schon hungrig, kräftig zu. Das ist dann aber doch zu viel für ihren Magen. Sie muss ihm Tribut zollen und alles was sie im Laufe des Tages zu sich genommen hat, bahnt sich den Weg über den Hals in die Toilette. Guten Appetit. Auch das Wetter ist mittlerweile irgendwie eher wie in der Bretagne. Da geht heute wohl allgemein nicht mehr viel und wir beschließen früh ins Bett zu gehen und hoffen sehr, dass es Lina morgen früh wieder gut geht.

25. Oktober 2015

Andi auf Robinson Crusoes Spuren

Nach dem Frühstück beschließt Andi das Motu zu erkunden. Er will es einmal umrunden, startend an der Westseite in Richtung Süden, um immer mit der Strömung zu schwimmen, falls er im Wasser ist. Lina hat dazu keine Lust und will lieber am Strand relaxen und lesen. Andi geht los und hat sofort Begleitung. Nein, Lina hat es sich nicht anders überlegt, sondern der Haushund Blanco begleitet ihn. Andi nennt ihn aber lieber Cancer, da es seine Vorliebe zu sein scheint, im Sand nach Krabben zu graben. Dabei buddelt er sicherlich bis zu 50cm tief, so dass man nur noch sein Hinterteil über dem Sand erkennen kann. Wenn er dann eine hat, egal ob er sie aus ihrem Loch zieht oder sie auf ihrer Flucht Richtung Meer einholt, beißt er ein- bis zweimal drauf, tötet sie dadurch und pinkelt auf sie, ehe er sie achtlos liegen lässt. Verrücktes und auch etwas grausames Schauspiel. Naja, Blanco weicht auf jeden Fall nicht von Andis Seite. Wenn es für Andi am Strand aufgrund der Vegetation oder ähnlichem nicht mehr weitergeht, wird die Schnorchelausrüstung aufgezogen und der Weg durchs Wasser angetreten. An der Südspitze angekommen, ist er den Wellen, die an dem vorgelagerten Riff brechen, total Nahe. Er sieht einen Fischer, der direkt am Riff angelt. Vermutlich fischt er für das traditionelle Mittagessen. Hier geht der Strand in kleine Felsen über, die flach ins Wasser abfallen. Dahinter steht ein einzelnes Haus. Das ist mal a eine sensationelle Lage für ein Haus und b besonders auffällig, weil es hier meistens kleine Hüttchen, denn richtige Häuser gibt. Hier gönnt sich Andi eine kleine Auszeit und lässt die Aussicht auf sich wirken. Die Stille wird nur durch das Rauschen der Wellen unterbrochen. Es geht nun auf der Ostseite nordwärts und ab ins Wasser. Weder hier noch auf seinem weiteren Weg an Land begegnet er einer weiteren Menschenseele. Er bereut es, Linas Angebot die Kamera mitzunehmen, ausgeschlagen zu haben. In der Mitte angekommen, geht er an der Stelle vorbei, an der wir gestern gemeinsam ins Wasser sind. Cancer reicht es hier allerdings und geht den Weg zurück quer über das Motu. Am Nordzipfel der Insel liegt eine größere Sandbank. Hier begegnet er, nach dem Fischer, den Menschen zwei und drei. Ein Pärchen beobachtet die Vogelschar, die es sich auf der Sandbank gemütlich gemacht hat. Im Hintergrund sieht man die Hauptinsel, mit ihrem Bilderbuchberg in der Mitte. Er sucht sich ein schattiges Plätzchen und fühlt sich nochmals ein bisschen wie Robinson Crusoe. Anschließend lässt er sich mit der Strömung und dem Kopf unter Wasser bis zur Unterkunft treiben. Auf dem Weg sieht er wieder einige Fische und als Highlight eine Muräne, die ihren Kopf neugierig in Andis Richtung dreht. Er hält respektvollen Abstand. Lina macht sich in der Zwischenzeit schon etwas Sorgen, da Blanco ohne Andi zurückkehrt und dessen Umrundung bereits über zwei Stunden dauert. Aber was lange währt wird endlich gut. Andi erscheint schwimmend in Linas Blickfeld. Er steigt aus dem Wasser und erzählt Lina sofort, wie toll die Umrundung war. Den Nachmittag verbringen wir entspannt gemeinsam, bis der Bootsfahrer einen neuen Gast bringt. Wir sitzen auf der Veranda und werden mit: „No French, little English! No French, little English!“ vom Neuen begrüßt. Er geht zur Dame und möchte erklären, wer er ist. Die Kommunikation funktioniert so überhaupt nicht, bis die Dame ruft: „Lina, s‚il vous plaît traduire!“ Sie mag Lina, diese kann ihr „Glück“ nicht so recht fassen, ist aber tapfer und eilt zur Hilfe. Es stellt sich dann auch nicht als tragisch heraus. Lina versteht etwas wie „jetzt bezahlen“, da der leicht skurille Russe der Hausdame wohl nicht ganz geheuer ist. Lina übersetzt das also ins Englische, Vasili versteht, lacht und rennt los, um das Geld zu holen. Pas de problème! Kurz darauf, wir sitzen wieder auf unserer Veranda, genießen den traumhaften Ausblick und das Leben, fährt ein Schlauchboot, welches sich von einer Jacht losmacht, auf unser Paradies zu. Es steigt ein Österreicher mit seinem Sohn aus. Sie fragen die Hausdame, ob sie Verwendung für einen Blue Marlin, den sie vor kurzem gefangen hätten, hat. Freudig bejaht die Tahitianerin die Frage und lädt die Überbringer kurzerhand zum Abendessen ein. Fisch ist also für die nächsten Tage gesichert. Auch wir freuen uns auf den Leckerbissen. Abends erzählt der Österreicher dann über seinen Job. Er hat sich diese Jacht gekauft, schippert mit ihr hauptsächlich durch die Südsee und nimmt Bekannte, aber auch fremde Touristen mit. Aus diesem Geschäftsmodell fiel wohl so viel ab, dass er mittlerweile zwei weitere Jachten betreibt. Eine fährt durch das Mittelmeer und die andere bereist die karibische Inselwelt. Sechs Monate im Jahr verbringt der Herr die Zeit in seiner alpenländischen Heimat und die restliche Zeit verbringt er als Südsee-Kapitän. Wir finden, dass es deutlich schlechtere Wege gibt, seine Brötchen zu verdienen. Die Gespräche sind interessant und der Blue Marlin lecker. Einige Getränke und Themen später gehen wir glückselig ins Bett.

26. Oktober 2015

Natürliche Schönheit und die Grausamkeit der Natur

Für heute planen wir einen Ausflug. Laut Lonely Planet ist Maupiti die einzige Insel in Französisch Polynesien, auf der die Möglichkeit besteht, von der Hauptinsel auf ein Motu, welches knapp einen Kilometer entfernt ist, durch die Südsee zu gehen (!), da das Wasser dazwischen nicht tiefer als einen knappen Meter ist. Wir wollen von Terei’a Beach durch das Meer auf das Motu Auira gehen. Davor werden wir jedoch noch einen Schnorchelstop am Manta Point einlegen; diese Tiere dürfen auf unserer Reise natürlich nicht fehlen. Wir sind wirklich schon sehr aufgeregt. Der wortkarge Hausherr nimmt uns vom Motu Tiapaa mit zur Hauptinsel. Dabei ist noch Pauline aus dem Französisch sprechenden Teil der Schweiz, die auf Tahiti ein Praktikum im sozialen Bereich absolviert hat, und nun Urlaub macht, ehe sie als Aupair in Australien das nächste halbe Jahr verbringen wird. Auch nicht so schlecht. Da Pauline „nur“ auf die Hauptinsel möchte, um dort wandern zu gehen, setzen wir sie erst dort ab, damit sie nicht warten muss, während wir schnorcheln. Wir packen also unsere Siebensachen und besteigen das kleine Boot. Nachdem wir Pauline am Minihafen von Maupiti austeigen lassen, sind wir innerhalb weniger Minuten am Manta Point. Die Personalunion aus Kapitän, Gärtner, Hausherr, Klempner und noch vielem mehr, sucht im seichten Wasser (zwischen 5 und 12m tief) nach der dort fliegenden Eleganz. Er hat wohl etwas entdeckt. Zumindest gestikuliert er wild und redet unfassbar schnell auf Französisch auf uns ein. Wir verstehen zwar nicht, fühlen uns aber genötigt, sofort ins Wasser zu gehen. Linas Herz rast, denn sie sieht unfassbar riesige Schatten unter und neben dem Boot. Da sollen wir jetzt wirklich rein? Unser Kapitän lässt uns keine andere Wahl, da er unverhohlen auf uns einschreit. Im Wasser angekommen geht der Blick nach unten und schon sehen wir die riesigen Tiere. Lina erschrickt ob der Größe und versteckt sich sicherheitshalber hinter Andi. Es sind zwei Mantas in unserer unmittelbaren Nähe. Sie fliegen seelenruhig um einen größeren Fels am Meeresboden, der geschätzt 7m unter uns liegt. Schlichtweg unfassbar! Es ist erstaunlich, wie elegant diese Riesen sich bewegen und welche Ruhe man bei ihrem Anblick verspürt. Nach einiger Zeit in der Beobachtungsphase hält es Andi nicht mehr aus und taucht zu den Mantas ab. Gänsehaut pur! Wir verbringen eine weitere halbe Stunde mit diesen surrealen Fischen, ehe wir erschöpft zurück an Bord steigen. Noch ganz in Gedanken schwelgend erreichen wir Maupitis Hauptinsel. Da es sehr warm ist, holen wir uns in einem klitzekleinen Laden, der wohl die Inselbäckerei, den Super- und Baumarkt darstellt, etwas zu trinken und machen uns auf den Weg zum Strand von Terei’a. Der Weg zieht sich und uns fällt auf, dass wir kein Feuerzeug dabei haben. Glücklicherweise finden wir auf unserem Weg rauchende Bauarbeiter. Diese versorgen uns mit Feuer und erklären uns außerdem, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Obwohl dieser direkt am Meer entlang führt, ist hier nirgends Strand, da die Häuschen und Höfchen direkt am Wasser stehen. Drei Hunde haben uns entdeckt, einer davon wirklich groß, und suchen unsere Nähe. Irgendwie ist uns das etwas unangenehm, obwohl wir freie, wilde Hunde mittlerweile gewohnt sind. Aus diesem Grund gönnen wir den Tieren unsere Gesellschaft. Wir haben auch keine andere Wahl, da sie uns auf unserem Weg zum Strand begleiten und immer wieder auf Körperkontakt an uns herankommen. Nur finden wir den Strand irgendwie nicht und die Straße endet geradeaus und es geht nur noch eine Anhöhe hoch. Wir überlegen, ob wir uns querfeldein durchschlagen oder die Anhöhe erklimmen sollen. Wir nehmen den Weg nach oben und passieren dabei links uns rechts je einen kleinen Hof. Vom linken kommt ein weiterer Hund angerannt. Plötzlich geschieht das Unglaubliche. Der größte unserer drei Begleiter greift den Hofhund an. Ein weiterer des Trios kommt ihm zur Hilfe und der Dritte scheint nach Ärger Ausschau zu halten. Es ist einfach nur brutal. Der Hofhund schreit jämmerlich und der große Hund beißt in sein Gesicht und Hals. Wir sind in Schockstarre und der Weg nach oben ist eine Sackgasse. Lina weint beinahe: „Er bringt ihn um! Er bringt ihn um!“ Wir trauen uns nicht, uns auf dem schmalen Weg an den vier Hunden vorbei zurück nach unten zu bewegen und beschließen den Hof auf der anderen Seite zu betreten. Dabei legen wir uns Kampfszenarien zurecht, für den Fall, dass die drei Angreifer sich nach dem Kampf denken, dass sie es jetzt mit uns aufnehmen möchten. Ja gut, vielleicht sind wir schon etwas panisch. Die Hunde lassen vom schwer verletzten Hofhund ab und dieser kriecht zurück auf seinen Hof. Tatsächlich kommen die Hunde jetzt in unsere Richtung. Der Größte und Hauptangreifer hat ein blutbespritztes Gesicht, das beinahe komplett rot ist. Wir haben wirklich Angst. Die Hunde sehen in uns jedoch anscheinend keine weiteren Gegner. So trauen wir uns ganz langsam zurück vom Hof auf den Weg und wieder hinab. Die Hunde kommen in einiger Entferung nach. Die vorhin gekaufte Glasflasche vor lauter Angst im Anschlag, machen wir uns auf den Weg zurück zum Hafen. An eine weitere Suche des Weges zum Strand ist nicht ansatzweise zu denken. Wir gehen teilweise rückwärts um die Hunde beobachten zu können und sind einfach nur gottfroh als wir zurück auf Höhe der Bauarbeiter sind. Langsam beruhigen wir uns wieder und suchen nun ein Restaurant. Nach einer Stunde haben wir das wohl einizige Restaurant auf Maupiti gefunden und essen dort lecker Tintenfisch und Gambas zu Mittag. Wir können die eben erlebte Geschichte noch gar nicht fassen und wissen nicht genau, ob wir zu viel Angst hatten oder ob die Situation auch für uns wirklich gefährlich war. Um diesen Schock zu verdauen kauft Lina in einem kleinen Atelier erst mal selbstgefertigte Ohrringe. Zurück am Hafen treffen wir unseren Kapitän und Pauline wieder. Auf unserem Motu angekommen sind wir uns aber sicher, dass der Tag trotzdem wunderschön war, da wir einen Eindruck vom Leben auf Maupiti erhalten haben und vor allem Mantas in freier Wildbahn und aus nächster Nähe erleben durften. Das überwiegt den schrecklichen Hundekampf jetzt schon. Wir entspannen uns vor dem Abendessen bei einem ausgiebigen Bad in der Südsee und fallen nach dem Abendessen total erschöpft ins Bett.

27. Oktober 2015

Auf zur Hauptinsel Französisch Polynesiens – Tahiti

Wir schlafen aus. Da wir gestern aber recht zeitig ins Bett sind, ist es trotzdem noch relativ früh. Das lässt uns Zeit, uns mental, mit einem Kaffee auf unserer Veranda, von Maupiti und unserem Motu Tiapaa zu verabschieden. Es ist einfach so schön hier. Wir packen und machen uns mit der üblichen Nussschale auf zum „Flughafen-Motu“. Pauline ist auch dabei, für sie geht es ebenfalls nach Tahiti und zur Frau, bei der sie während ihres Praktikums gelebt hat. Wir erledigen den Baggage Drop-Off und geben Pauline ein Dosenbier Hinano aus. Das lassen wir uns mit Blick auf die Südsee schmecken. So vertieft verpassen wir fast unseren Flug. Durch einen kurzen Zwischensprint erreichen wir ihn letztlich aber doch. Es geht ab nach Tahiti.