25. August 2015
Ankunft auf der Ilha Grande
Die Überfahrt von Angra dos Reis zur Ilha Grande bietet einen wunderbaren Ausblick nach dem anderen – egal in welche Richtung man schaut. Es sind sanft an- u. absteigende Bergformationen im wunderbaren Grün des atlantischen Regendwaldes und davor der azurblau schimmernde Atlantik. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in Richtung des Festlandes (es ist die Costa Verde, die ihren Namen aber so was von verdient hat) oder der Ilha Grande schaut. Dort angekommen müssen wir, jeder ausgestattet mit unseren über 20kg-Backpacks sowie den orden tlich gefüllten Daypacks, erst mal unsere Pousada suchen – der tägliche Sport darf einfach nicht fehlen. Nach anstrengenden 20min (eigentlich sind es mehr, aber an dieser Stelle wollen wir nicht zu dick auftragen, sonst zieht uns die Bundeswehr ein, da wir die Ausdauermärsche mit Gepäck bereits beherrschen) erreichen wir unsere Unterkunft. Wir fühlen uns, ob du es glaubst oder nicht, schon bei Ankunft wieder pudelwohl. Die Pousada ist wunderschön und man hat das Gefühl, direkt im Regenwald zu stehen, es wird uns entgegengelacht, 2 Gläser Sekt werden uns in die Hand gedrückt und nachdem wir eine geraucht haben, wird uns unser Zimmer gezeigt. Das ist auch noch wirklich toll. Wir haben uns eingereichtet und gehen jetzt auf Essensjagd. Am Strand entdecken wir ein gemütliches Lokal, das seine Tische und Stühle auf dem Sand aufgebaut hat und sogar eine eigene Caipirinha-Karte hat – we like! Wir wählen einen Ananas-Minze- und einen Wassermelone-Honigmelone-Caipi. Falls du, lieber Leser, liebe Leserin, Barbesitzer in München bist oder werden willst: mach ne Caipi-Karte mit dieser Qualität und du hast sicher 2 (weitere) Stammgäste! Dazu bestellen wir uns eine köstliche Fischplatte und Andi entweicht doch tatsächlich der folgende Satz, der ihn ab jetzt sein ganzes weiteres Leben begleiten wird: „Reis ist besser als Pommes!“ Es geschehen noch Zeichen und Wunder. 😝 Als wir das nächste Mal den Reiseführer aufschlagen, stellen wir fest, dass wir uns natürlich das teuerste Restaurant der Insel ausgesucht haben. Es gibt Dinge, die ändern sich wohl nie. ☺️
- Ilha Grande vom Wasser aus
- Regenwald pur
- Lina mit Sprudel in Hammock
- Steg an dem alle Boote ankommen
- Andi mit Melonen-Caipi
- Endlich Fisch!
26./27. August 2015
„Kurz mal baden gehen“
Wir stehen auf und es regnet tatsächlich. Das darf ja wohl nicht war sein – na gut, ist schon vorbei. Also packen wir unsere Sachen und wollen baden gehen. Da man am Hauptstrand des Dörfchens (Abraão) wegen der vielen Boote nicht so gut ins Wasser gehen kann/will, entscheiden wir uns für einen Strand, direkt neben dem Dorf. Auf dem Weg der „Hauptstraße“ entlang in Richtung Praia dos Pratos (soll aus schwarzem Heilsand bestehen), fällt uns positiv auf, was wir schon im Reiseführer gelesen haben: es gibt hier keine Autos. Es scheint, als ob jeder Einheimische einen Bollerwagen oder eine Schubkarre besitzt, um Einkäufe erledigen zu können. Das ist ein herrliches Bild. Auf dem 20minütigen Weg durch den Regenwald (wir sind so sportlich) sehen wir kleine Äffchen und einen riesigen Schmetterling – der würde in Deutschland Vögel fressen und nicht umgekehrt. Aufgrund der Flut gibt es kaum Strand, dementsprechend leider auch keinen schwarzen Heilsand und Andi will sich nicht auf Steine legen, die Diva. Trotzdem kann man ihn nicht abhalten ins Wasser zu springen – das erste Mal Meer auf unserer Reise – herrlich! Da der Strand nicht unsere Kriterien eines Traumstandes erfüllt, gehen wir also wieder zurück zum Dörfchen und auf der anderen (Strand-) Seite wieder heraus zum nächsten Wanderweg durch den atlantischen Regendwald, von denen es auf der Ilha Grande ca. 15 gibt. Wir wollen jetzt zum Strand von Abraãozinho. Diese Wanderwege haben, wie man das eigentlich ja auch kennt, Schwierigkeitsgrade. Zum Glück sind Lina und Andi clever genug, diese nicht zu beachten und in Beach-Montur (u.a. Flipflops) loszugehen. So dauert das kleine „Gehen-wir-eben-zum-anderen-Strand-rüber“ 1h. Aber gut, wer lesen kann ist deutlich im Vorteil. Allerdings werden wir auch belohnt, indem wir eine ca. 40cm große Echse sehen. Darüber hinaus ist dieser Strand wirklich malerisch und weist außerdem eine Beach-Bar auf, zu der wir uns sofort begeben müssen (Sportler sollen viel trinken). Neben den Caipis essen wir eine Kleinigkeit: Lina zwei ganze Fische und Andi ein paar Empanadas. Sehr lecker alles, aber viel zu viel. Zurück geht es dann mit dem Taxi-Boot. Über diese Erfindung sind wir gerade überglücklich! Mit so viel im Magen schlafen wir dann auch schnell ein. Nachdem wir gut geschlafen haben und eben aufgestanden sind, machen wir uns direkt auf zum Strand von Abraão und genehmigen uns ein paar frisch gepresste Säfte. Da nun tatsächlich ein Sturm aufkommt, begeben wir uns zurück zur Pousada. Nun ist schon Nachmittag und das Wetter wird leider nicht besser. Die Palmen biegen sich im Sturm und in unserer Regenwaldunterkunft rauscht und kracht es. Aber nicht weiter schlimm. Wir holen uns ein Fläschchen Sekt, legen uns in die Hängematten, schreiben ein bisschen was auf diese Seite, du willst ja unterhalten werden, spielen Backgammon und quatschen mit den Angestellten in Gebärdensprache, da sich unsere Portugiesischkenntnisse noch nicht signifikant verbessert haben.
- Gelbe Blume
- Garten in der Pousada
- Andi am Traumstrand
- Lina’s Fisch
- Praia Abrãaozinho
28. August 2015
Wandern mit Ankündigung
Nachdem wir einen Laundry-Service gefunden haben, wir also zum Glück nicht wie in Botswana von Hand waschen müssen, und das Wetter auch noch nicht wolkenlos ist, ja wir sind schon etwas vom Wetter verwöhnt mittlerweile, beschließen wir, eine Dschungelwanderung zu machen (ahh wir werden/sind alt). Dieses Mal tragen wir sogar festes Schuhwerk. Ach ja, hätten wir fast vergessen zu erwähnen: da es uns hier schon wieder so gut gefällt, haben wir beschlossen, die gebuchten vier Nächte um drei weitere zu verlängern. Das erste Highlight unseres Walks ist ein Natur-Pool, der sich unterhalb eines kleines Wasserfalles bildet. Da hier aber schon paar Leute baden, machen wir nur Fotos und gehen weiter. Als nächstes gelangen wir zu einem Aquädukt, welches bereits 1893 (extrem gutes Jahr) erbaut wurde, um ein Lazarett mit Lepra-Kranken mit Wasser von Abraão zu versorgen. Da es doch recht warm ist und die anfängliche Wander-Euphorie sich schon nach der ersten Steigung gelegt hatte, überlegen wir, umzukehren, entscheiden uns dann aber doch dazu, noch ein kleines Stück weiter zu laufen. Nach 90min sind wir klatschnass, nein es regnet nicht, und es geht weiter bergauf. Wir sehen neben weiteren Riesenschmetterlingen, kleinen Äffchen und Riesenameisen auch drei Brüllaffen, die in ca. 5m Höhe in den Bäumen direkt neben uns nach Nahrung suchen. Wir würden diese Wanderung jederzeit wieder machen! Die Brüllaffen ziehen auch nicht weiter, sondern bleiben stets in Sichtweise. Irgendwann können wir uns dann aber doch loseisen, nachdem schon etliche Wanderer, ohne Interesse an den Tieren zu zeigen, an uns vorbei gehen. Es beginnt nun tatsächlich bergab zu gehen. Nach einer Weile fragt Lina: „Andi, hörst Du das Meer?“ Natürlich nicht. Trotzdem motiviert vom Gedanken an Abkühlung (evtl. durch eine Beach-Bar auch von innen) werden neue Kräfte freigesetzt. Unten kommen wir zur wunderschönen Praia Feiticeira. Nach dem heutigen Sommerbiathlon (Gehen/Wandern und Schwimmen) haben wir uns ein Bierchen verdient. Dies wird nicht in einer Beach-Bar, sondern von einer Omi auf einem Stuhl unter einem Sonnenschirm verkauft. Wir genießen Sonne und Ausblick noch etwas, Andi erkundet die paar wenigen Strandkrabben, die er sieht und zurück geht es wieder mit dem Taxi-Boot.
- Erster Aussichtspunkt
- Naturpool / Wasserfall I
- Naturpool / Wasserfall II
- A bissl Kultur
- Aqueduto
- Dschungel-Adventure
- Hoch hinaus
- No Pain, No Gain
- Brüllaffe
- Brüllaffe bearbeitet
- Pinke Delfine sollte es doch erst im Amazonas geben
29. August 2015
Lopes Mendes – Top Ten Beach Brasiliens
Das Frühstück ist wieder sehr lecker. Lina isst jeden Tag etwas anderes, wohingegen Andi sich immer vier Scheiben Toast, Butter, Käse und Schinken nimmt und diese dann im Sandwichmaker zu 2 Sandwiches werden lässt – Zauberei. Wir beschließen für heute eine Boots-Tour zum schönsten Strand der Ilha Grande zu buchen. Der heißt Lopes Mendes und wird regelmäßig in die Top Ten Beaches von Brasilien gewählt. Wir sind mit einem großen Schoner, der direkt aus der Kolonialzeit entsprungen scheint, 45min unterwegs zur Südseite der Insel, welche nicht Brasilien, sondern dem offenen Atlantik zugewandt ist. Anschließend hält Stefan Loose (unser Reiseführer-Buch) sein Versprechen und wir machen einen weiteren, schweißtreibenden 30-Minuten-Walk durch den Dschungel. Wir landen am 3km langen Lopes Mendes-Beach. Hier gibt es Surfer und schöne Wellen. Es ist einiges los, also keine Strandliegen oder so, aber eben mehrere Menschen sind hier. Als Andi in den Wellen vom Lifeguard zurückgepfiffen wird, fällt uns auf, dass wir uns von den 3km Strand die 80m ausgesucht haben, an denen 3 rote Fahnen, mit der Aufschrift „Attention! Dangerous Currents!“ (auf portugiesisch und englisch!), wehen. Ja ja, die Touristen. Tolle Leute. Davon abgesehen ist es hier wirklich traumhaft: kein Hotel, kein sonstiger Bau, niemand der einem irgendetwas verkaufen möchte, nur ein wunderbarer Strand, tolle tiefgrüne Landschaft hinter uns und die traumhaften Wellen vor uns! Nun ist es später Nachmittag am 29. August und wir haben gefühlt unseren ersten richtigen Strandtag eingelegt. Geil! Zurück gibt es keine Taxiboote, sondern wir müssen die 30 anstrengenden Minuten durch den Regenwald dorthin zurück, wo das Boot schon auf uns und 10 weitere Menschen wartet. Jetzt ist es abends, nach einer Dusche riechen wir auch wieder gut und wir entscheiden uns, den Tag bei einem schicken Essen ausklingen zu lassen.
- Lopes Mendes
- Nach’m Sport: viel trinken
- Einer von vielen Surfern
- Ziemlich schön
- Heimweg nach Abrãao
- Bootsrennen
WARNUNG: solltest du dich nicht für Essen interessieren, werden dich die nächsten Zeilen sicherlich langweilen und du solltest zum nächsten Tag scrollen.
Wir suchen laut unserem Reiseführer einen kleinen Insider-Tipp. Gehen in unserem wunderschönen Fischerdörfchen ein paar Gässchen, die wir bislang noch nicht entdeckt hatten und kommen an einem kleinen Restaurant an. Dieses ist, vorwiegend von Einheimischen, gut besucht. Es gibt nur einen nicht überdachten Tisch, das ist dann auch der einzige an dem man rauchen darf. Im Staat Rio (mal schauen wie es wo anders in Brasilien ist) spielt es keine Rolle, ob drin oder draußen. Sobald du ein Dach über dir hast darfst du nicht rauchen. Nach einem unspektakulären Gruß aus der Küche bestellen wir eine Flasche brasilianischen Chardonnay von 2013 und Miesmuscheln zur Vorspeise (natürlich ohne das genau zu wissen. Dachten nur, dass das Muscheln sind). Der Wein ist grandios und nimmt es spielerisch mit einem guten europäischen Weißwein auf. Wir sind wieder einmal überrascht, dass die Brasilianer so gute Weine herstellen. Die Muscheln kommen en Masse, ca. 1kg, wenn sie in der Schale wären. Sind sie aber nicht, sie sind taufrisch und bereits ausgelöst und ähnlich wie Moule Farci (frz.) in Knoblauch, Kräutern, Öl angemacht und mit einem Hauch Parmesan gratiniert – wirklich, ihr könnt es euch nicht vorstellen! Miesmuscheln in weißer, roter oder Curry-Soße (Grüße nach Potsdam) sind super lecker, aber wir sind uns einig, dass wir diese Art der Zubereitung unbedingt mit nach Hause nehmen müssen (Lina wird daheim solange rumprobieren, bis sie es auch hinbekommt und alle Interessierten daran teilhaben lassen)! Zum Hauptgang hoffen wir, dass wir Rindersteak bestellt haben, wie immer eine Portion für 2. Als die beiden riesigen Stücke Rinderfilet in Rotweinsoße mit grünem Pfeffer kommen, wissen wir dass das nicht zu schaffen sein kann, zumal es noch je eine Schale Reis und Kartoffel-Röstis dazu gibt. Das Fleisch und die Röstis sind unfassbar lecker und das Fleisch so gut abgehangen bzw. so weich, dass Andis Messer beim Versuch es zur Seite zu schieben darin stecken bleibt. Es zergeht einfach im Mund – grandios! Wenn man hier das Fleisch in den Auslagen sieht, weiß man, dass wir das bei uns nicht so hinbekommen können. Das Fleisch ist dunkelbraun bis fast schwarz, sodass es nur unfassbar zart werden kann. Aber um die Menge nochmals zu verdeutlichen: am ersten überdachten Tisch (1m von uns entfernt) sitzt eine Familie mit 2 Kindern, die ebenfalls unsere Portionsgröße Filets zu viert essen, allerdings ohne den Berg Miesmuscheln. Sie bestellen weder Vor- noch Nachspeise. Das alles kostet uns in Summe ungefähr 50€, also eher teuer für hiesige Verhältnisse. Falls du mal auf die Ilha Grande kommst, iss bei Dom Mario! Vielleicht treffen wir uns dort, denn wir wollen so gerne wiederkommen!
- Die Miesmuscheln
- Der darf nicht fehlen
- Lechz
- PERFEKT!!!
30. August 2015
Heute planen wir hauptsächlich die nächsten Schritte auf brasilianischem Boden. Vom Essen sind wir nun versaut und so enttäuscht uns das Lua Mar.
31. August 2015
Bis Mittag haben wir die weiteren Schritte unserer Reise geplant – es geht nach Amazonien in den Urwald. Diesen Anlass nutzen wir und setzen uns mittags ans Meer und genießen einfach. Dabei freuen wir uns schon die ganze Zeit auf heute Abend, weil wir noch einmal zu Dom Mario gehen wollen / müssen! Es ist so weit, Abendessen. Bei Dom Mario angekommen schießen uns fast die Tränen in die Augen, weil der geschlossen hat und wir doch morgen schon wieder abreisen. OK, hilft ja nichts, wir haben Hunger. Wir gehen direkt auf den Strand ins Pé Na Areia, da gibt’s Live-Musik und die Karte gefällt uns. Wie immer sind alle sehr nett und es ist eine äußerst entspannte Atmosphäre. Ein begnadeter Sänger trällert mit seiner Gitarre hübsche Lieder unter einem Paulaner-Schild. Einmal kommt einfach ein Passant vorbei, schnappt sich das Mikro und singt mit Gänsehaut- Stimme einen romantischen Song. Das Publikum dankt es ihm mit tosendem Aplaus. Danach bedankt sich der Spontan-Entertainer bei dem eigentlichen Musiker und geht weiter seiner Wege… Verrücktes Völkchen! Wir mögen die Brasilianer und freuen uns jetzt schon auf den morgen startenden Trip in den tropischen Regenwald nach Manaus und weiter in die Tiefen Amazoniens.
- Man mag sich
- Cocktail
- Romantische Atmosphäre
- Abraão 😍
- sich „satt sehen“ ist schwierig







































