Foz do Iguaçu – Wunderwelt Natur

21. September 2015

Am heutigen Morgen wachen wir frisch und erholt auf und machen uns auf zum Frühstück. Vor unserem Zimmer: endlose Weiten grüner Rasen, durchbrochen von Sanddünen und kleinen Fähnchen. Kleinen Fähnchen? Es dämmert uns. Wir haben uns, ganz Backpacker-like, versehentlich in ein Golf-Resort eingemietet. Dabei wollten wir nur eine erschwingliche Unterkunft in Laufweite zu der brasilianischen Seite der Wasserfälle mit einem Austritt zum unvermeidlichen Rauchen. Dabei ist wohl untergegangen, was das Hotel sonst noch „zu bieten“ hat. Aufgrund der Größe der Golfanlage ist es nicht möglich zu den Falls zu laufen, da wir sonst den halben Tag bei 30 Grad und amazonasartiger Luftfeuchtigkeit bis zu unserem Ziel unterwegs wären. Also holen wir doch ein Taxi und machen uns auf den Weg. Der Taxifahrer hat natürlich tausend gute Tipps parat, wie wir den Park besichtigen sollten. Nachdem wir herausfinden, dass er keine Provision für seine Tipps erhält, buchen wir eine Bootstour, die wir später am Tag machen wollen, um die Wasserfälle nicht „nur“ von Land zu sehen. Im Park selbst gibt es einen Shuttlebus, der die verschiedenen Aussichtspunkte anfährt. Wir fahren zu einem der ersten Stops und wollen den Rest zu Fuß gehen. Bereits nach wenigen Metern sieht man die Wasserfälle und es ist schon beeindruckend. Zumindest versichern wir uns das immer wieder gegenseitig (Allianzer eben), denn eigentlich sind da nur ein paar kleine Fälle, die schon ganz nett sind, aber dafür sollen wir jetzt so viel Geld bezahlt haben? Das hatten wir uns irgendwie spektakulärer vorgestellt. Wir spekulieren über die Trockenzeit, die wohl dafür verantwortlich sein muss und versichern uns nochmals, jetzt einfach das Beste daraus zu machen. Auf unserem weiteren Weg sehen wir zahllose Schmetterlinge (es ist Schmetterlingszeit), Leguane und die berühmten Nasenbären, die den Touristen ihr Essen klauen und dabei auch ziemlich böse werden können, aus sicherer Entfernung aber sehr posierliche Zeitgenossen sind.

Weiter geht es also mit unserem Spaziergang entlang der Wasserfälle. Es geht am Hang entlang und wir hören ein immer lauter werdendes Rauschen, auch wird die Luft immer feuchter. Und dann sehen wir sie: die Hauptattraktion: die zentralen Wasserfälle, die mit einer unfassbaren Urgewalt in die Tiefe stürzen. Es ist atemberaubend, wunderschön und jeden Cent wert! Wir können uns gar nicht sattsehen und der Speicher der Kamera wird mit rund 650 Bildern strapaziert (nehmt euch schon mal eine Woche Urlaub für den „Fotoabend“). Nachdem Andis Handy-Speicher ob der vielen Fotos streikt, beschließen wir, dass wir wohl genug Fotos haben und gehen zum Lunch in das Restaurant über den Wasserfällen. Eigentlich haben wir gefühlt nun alles gesehen, die Glückshormone sind alle und der volle Magen fordert uns auf, sofort einen Mittagsschlaf einzulegen. Aber wir haben ja noch diese vermaledeiten Karten für die Bootstour. Wenig motiviert machen wir uns mit dem Bus zu dem Startpunkt der Tour auf. Die Tour besteht aus einer Fahrt mit einer Bimmelbahn, einem Spaziergang durch den Wald und einer Bootstour. Da wir die letzten zusteigenden Gäste sind, sitzen wir nicht im Wagen der Bimmelbahn, sondern rückwärts auf dem Traktor, der den Wagen zieht, 30 Augenpaare der anderen Gäste auf uns gerichtet – gemütlich. Die Bahn fährt durch den Wald und der Guide erklärt die Flora. Davon hören wir nicht so viel, da der Guide in die andere Richtung spricht und der Traktor eine dezente Geräuschkulisse produziert. Danach geht es zu Fuß über einen hölzernen Weg durch den Wald. Viel Neues erfahren wir nicht – aber wir waren ja schließlich auch schon im Amazonasgebiet. Wir besichtigen noch einen kleinen Wasserfall und dann geht es aufs Boot, das sich als reichlich gut motorisiertes Speedboot entpuppt. Leider müssen wir unsere Kamera an Land zurücklassen. Mit einer mordsmäßigen Geschwindigkeit geht es Richtung Wasserfälle, durch Schluchten und durch Strömungen, die jedem Raftingbegeisterten die Tränen in die Augen treiben. Der Fahrer macht jede Menge lustige Manöver, sodass das Boot häufig senkrecht im Wasser liegt und man mit dem Gesicht fast im Wasser liegt oder durch die Wellen peitscht, sodass das ganze Boot eine kräftige Badewanne voll Wasser ins Gesicht bekommt. Die Fahrt geht zu einem der Nebenfälle, die von weitem recht klein ausgesehen haben. Von Nahem betrachtet, sind selbst diese kleinen Fälle unbeschreibliche Naturgewalten und wir steuern mit dem Boot mitten rein. Es ist nass und es ist kalt, die Augen sind zu damit die Kontaktlinsen bleiben wo sie sind und es ist ein riesen, riesen, riesen Spaß! Leider geht die Bootsfahrt für unseren Geschmack viel zu schnell vorbei und wir sind fertig, aber happy!

22. September 2015

Da wir von den vielen „Fällen“ gesättigt sind, es elegante 35 Grad hat und die argentinische Seite der Wasserfälle wohl eher zum Wandern geeignet sein soll, beschließen wir in den Parques des Aves, den Vogelpark zu gehen. Da soll es Tucane geben und Lina will diese Vögel aus der Haribo-Werbung nach einigen schemenhaften Sichtungen im Amazonas nun mal von Nahem sehen. Auch das andere Federvieh, das wir im Amazonas zwar gesehen haben, aber nie begutachten konnten, soll man hier bewundern können. Im Park gibt es unzählige tropische Vögel, die in großen begehbaren Gehegen leben und wir können auch die Aras nun einmal von Nahem beobachten. Lina ist hin und weg und dementsprechend viele Bilder gibt es von dem Besuch. Andi möchte hier vor allem die Eagle Harpy = Harpyie herausstellen, die mit 115cm Größe, 250cm Flügelspannweite und ihrer enormen Kraft Affen, Faultiere, Opossums, Nasenbären, andere große Vögel, Schlangen oder Leguane für ihre abwechslungsreiche Speisekarte erlegt. Beeindruckendes Tier!

23. September 2015

Unser Flieger nach Kolumbien geht erst am Abend und so haben wir unser Zimmer bis 18:00 und schimmeln den halben Tag am Pool herum. Aber nichts ist so wie es scheint und so steht Andi vor verschlossener Tür als er sich fertig machen will. Dieser Umstand ist aber schnell geklärt und wir machen uns mit dem Taxi auf den Weg zum Flughafen. Auf die (auf Portugiesisch gestellte) Frage des Taxifahrers, ob wir auf die argentinische oder brasilianische Seite müssen, antworten wir ganz professionell „Kolumbien“ und geben auch nach mehrmaligem Nachfragen des Taxifahrers nicht auf, ihm zu sagen, dass es nach Kolumbien geht. Das Gelächter ist groß, als sich das Missverständis klärt und wir sind froh um unseren Geldbeutel, dass der Taxifahrer unsere vorgeschlagene Route nicht eingeschlagen hat. So weit ist unser Portugiesisch also gediehen in den letzten 5 Wochen. Mit zwei weinenden Augen, aber auch viel Vorfreude auf die kommenden Abenteuer, verabschieden wir uns von Brasilien und fliegen über Curitiba, Sao Paulo nach Bogota, von wo es spontan zur kolumbianischen Karibikküste gehen soll.