Fortaleza – raue Küste in Ceará

08. – 14. September 2015

Nach den letzten Erlebnissen sind wir tatsächlich richtig platt und wollen nur noch an den Strand. Wir haben uns für eine Gegend etwa 120 km südöstlich von Fortaleza entschieden und für ein Hotel, dass von den Gästen für sein Robinson Crusoe Feeling gelobt wird. Wir landen gegen 7 Uhr am Morgen in Fortaleza und da wir zu unserem Zielort auf die schnelle keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefunden haben und Andi sowieso in Brasilien mal ein Auto mieten wollte, tun wir das jetzt hier in Fortaleza. Fortaleza ist wieder eine Millionenstadt und man sieht die unzähligen Hochhäuser, die das Stadtbild bisher jeder gesehenen brasilianischen Großstadt dominieren.

Trotz Sprachbarrieren bekommen wir es irgendwie hin, den Weg zur Autovermietung zu finden und auch tatsächlich ein kleines schnuckeliges Auto inkl. Navi zu bekommen. Zuversichtlich versucht Lina unser Ziel in das Navigationssystem einzugeben, scheitert doch schon bei der Stadt, da es diese nicht in die Software geschafft hat. Nach mehrmaligen Versuchen lassen wir doch den Profi von der Autovermietung ran, der uns erst mitleidig belächelt und dann auch daran scheitert unser Ziel einzugeben. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als die nächstgrößere Stadt, die etwa 20 km von unserem Ziel entfernt ist einzugeben und erst einmal loszufahren. So schwierig wird das schon nicht sein, dann noch das Hotel zu finden. Wir machen uns also auf den Weg und müssen schon auf dem Weg aus der Autovermietung einige Schlaglöcher umkurven. Es geht auf die drei bis vierspurige Stadtautobahn und wie aus München gewohnt, ist hier gegen 8:30 Uhr gewaltige Rush Hour. Was wir aus München allerdings nicht gewohnt sind, sind Kolonnen von Mofafahrern, die sich halsbrecherisch und in einem Affenzahn zwischen den Autos hindurchschlängeln und einem Europäer den Spurwechsel quasi unmöglich machen. Auch das scheinbar ungeschriebene Gesetz der anderen Autofahrer einfach niemanden (oder einfach nur uns nicht) auf eine andere Spur zu lassen, treibt Andi binnen 10 Minuten den Schweiß auf die Stirn und Lina die Panik ins Gesicht. Gefühlt nur knapp dem Tode entronnen, schaffen wir es dann doch auf die Straße, die uns aus der Stadt bringt. Hier ist deutlich weniger los und außer dass Andi in eine Baustelle fährt, die Straße auf einmal endet und wir mit unserem kleinen Renault über Stock und Stein wieder auf die eigentliche Autobahn rumpeln, haben wir eine gemütliche Fahrt Richtung Erholungsurlaub.

Nach etwa 1,5 Std. erreichen wir wie geplant Beberibe, die Stadt, die unserem eigentlichen Ziel am nächsten liegt. Unser Plan ist es, den Strand zu finden und dann entlang des Strandes ins 20 km südöstlich gelegene Uruaú zu fahren, in dem sich unsere Unterkunft befinden soll. Nach einigen Runden durch die Stadt finden wir zwar keine Strandstraße aber ein Schild auf dem tatsächlich irgendwas mit Uruaú steht. Wir folgen der Straße, die von geteert, zu Kopfsteinpflaster, zu Schotter, zu Sand wird. Irgendwann wird es uns zu merkwürdig, da die Straße vom Meer wegführt und wir drehen um. Wir fragen jemanden an einer Tankstelle und glauben zu verstehen, dass wir aus Beberibe raus müssen und auf der Autobahn weiter fahren sollen. Irgendetwas erzählt er noch mit Gas, aber wir sind uns jetzt sicher, dass wir den Weg schon finden werden und bedanken uns nur höflich. Zurück auf der Autobahn sehen wir endlich ein Schild zur Lagoa Uruaú (hört sich doch nach Strand an, oder?), welches wir erst fast übersehen und somit wenden müssen, um dann endlich den richtigen Weg einzuschlagen. Auch dieser Weg ist wieder nur eine Sandpiste und Andi hat einige Mühe, dass das Auto nicht stecken bleibt. Zur Sicherheit fragen wir lieber noch einmal einen Einheimischen, der uns mit dem Fahrad entgegenkommt. Der lacht uns aus, erzählt irgendwas, nickt aber, wenn wir den Weg entlang zeigen. Wir kommen überein, dass das wohl heißt, dass wir richtig sind und manövrieren uns weiter durch den Sand. Nach etwa 15 Minuten stehen wir vor einem geschlossenen Tor und ein misstrauischer Security-Mensch kommt auf uns zu. Auf Nachfrage erklärt er uns, dass wir hier am Eingang des Nationalparks sind und Uruaú woanders liegt. Er beherrscht die Hand-/Fußsprache sehr gut und so verstehen wir, dass wir auf der Autobahn nach einer Tankstelle Richtung Meer abbiegen müssen. Uns dämmert, dass dies der Mann an der Tankstelle wohl mit Gas gemeint haben könnte und kommen uns reichlich dämlich vor. Es geht also zurück und weiter auf der Autobahn bis zur Tankstelle und endlich endlich finden wir das kleine Fischerdorf. Unser Hotel ist jetzt auch ausgeschildert und so rumpeln wir einen kleinen Strandweg entlang raus aus dem Dorf, ganz einsam am Strand, bis wir tatsächlich im Hotel ankommen.

Unsere Buchung ist natürlich noch nicht im Hotel registriert worden, aber wie wir feststellen werden, sind wir die einzigen Gäste und können ein wunderschönes Zimmer mit wahnsinnigem Meerblick und einem Whirlpool beziehen. Da wir völlig pleite sind und uns zumindest mit Zigaretten und Sonnencreme für die nächsten Tage eindecken wollen, machen wir uns gleich auf den Weg zurück nach Beberibe, wo es einen Geldautomaten geben soll. Wir stellen das Auto irgendwo im Stadtzentrum ab und machen uns auf Erkundungstour. Wir finden einen kleinen städtischen Markt auf dem wir etwas bummeln und kaufen neben den benötigten Dingen auch noch brasilianischen Rum für die lauen Nächte auf unserer Terrasse (zum Glück kann man hier überall mit Karte zahlen, denn Bargeld haben wir immer noch keines). Nach dem Erlebnis mit dem Navi, möchte Andi noch eine Prepaidkarte für sein Handy kaufen, um im Bedarfsfall Straßenkarten und Übersetzer nutzen zu können. Nach einigen Fehlversuchen in diversen Läden finden wir einen Shop, der Karten verkauft und diese nicht nur auflädt und die beiden netten Mädels in dem Shop wollen Andi die Karte auch gleich einrichten. Nachdem die erste nicht funktioniert wird kurzerhand eine neue aufgemacht und der Registrierungsprozess scheint problemlos zu funktionieren. Dann fragt das Mädel nach Andis brasilianischer Sozialversicherungsnummer. Damit können wir spontan nicht dienen und dank dem Übersetzungsdienst einer großen Suchmaschine erfahren wir, dass man diese zur Registrierung einer SIM-Karte in Brasilien benötigt. Nun stehen wir da, ziemlich belämmert mit zwei nutzlosen SIM-Karten. Die Mädels diskutieren eine Weile und scheinen uns für vertrauenswürdig zu erachten, so dass uns eine der beiden ihre Nummer zur Verfügung stellt und das Handy aktiviert, allerdings nicht, ohne sich rückzuversichern, dass wir keinen Blödsinn damit anstellen wollen. Endlich wieder online beschließen wir, uns auf die Suche nach der Bank zu machen, fragen uns durch und stehen schließlich vor einem Shop mit 3 Schaltern an dem Caixa steht und eine Schlange von rund 50 Menschen scheinbar Geld holen möchte. Da wir unsicher sind, ob und wie wir hier Geld bekommen und eine Schlange aus Menschen besteht, die Lotto spielen wollen, beschließen wir, dass es auch ohne Bargeld gehen muss und machen uns auf den Rückweg zur Untkunft.

Wir genießen den Rest des Tages am Strand und sind froh endlich entspannen zu können. Der Strand hier besteht aus einer Mischung von großen Dünen, die durch niedriges Gras gehalten werden, durchbrochen von roten Steilklippen. Am Strand ist oft keine Menschenseele zu sehen und der Atlantik ist tatsächlich sehr warm (lasst das bloß nicht die Franzosen wissen). Die nächsten Tage passiert nur eine Menge Caipirinha, Backgammon und Sonne sowie laue Abende ganz ohne Moskitos oder anderes Getier. Das Hotel füllt sich Richtung Wochenende immer mehr und so kommen wir zum Ende unseres Aufenthalts in den Genuss die hausgemachte Pizza essen zu können, die der italienische Besitzer macht, wenn genügend Gäste da sind. Sonst ist das Essen trotz ambitionierter Karte leider eher mittelmäßig bis ungenießbar. Die Meeresfrüchte schmecken, als ob sie seit 5 Jahren in der Tiefkühltruhe gewartet hätten, um von uns endlich von ihrem Leid erlöst zu werden und das Fleisch ist leider auch mehrfach gestorben bevor es auf unserem Teller seine letzte Ruhe findet. Leider gibt es auch keine Alternative in der näheren Umgebung, aber trotz dieser widrigen Umstände schaffen wir es ganz gut uns zu entspannen und kommen überein, dass das mit dem Robinson Crusoe Feeling stimmt.

Als nächstes will Lina unbedingt an die Costa das Baleias = Walküste, um (Vorsicht Überraschung) Wale zu sehen. Nachdem wir unseren Reiseführer und das Internet gequält haben, stellen wir fest, dass dies ein fast unmögliches Unterfangen ist, ohne tagelang unterwegs zu sein. Hier sind Tourismus und Infrastruktur in einer Vorstufe der Kinderschuhe und so viel Zeit haben wir nicht. So einigen wir uns schlussendlich auf die Costa do Descobrimento = Küste der Entdeckung im Bundesstaat Bahia, die gut zu erreichen ist, die schönsten Strände Brasiliens haben soll und an der man wohl auch Wale sehen können soll. Flexible Reiseplanung nennt man das wohl. Jetzt steht noch die Entscheidung, ob es die größte Stadt inkl. Flughafen Porto Seguro (Party ohne Ende), Trancoso (ein Ort der seinem Namen alle Ehre machen soll) oder Arraial d’Ajuda (ein Ort der partytechnisch zwischen den beiden liegt) werden soll, aus. Da wir von Einsamkeit jetzt genug haben, aber nun auch nicht für pausenlos durchzechte Nächte berühmt sind, entscheiden wir uns für den Mittelweg und buchen das Hotel in Arraial d’Ajuda.

Am letzten Tag bevor es weiter gehen soll, schaffen wir beide es endlich uns einen mordsmäßigen Sonnenbrand zu holen. Mit einem Kloß im Hals in Erwartung auf die bevorstehende Autofahrt zurück nach Fortaleza an den Flughafen, machen wir uns am 14. September auf. Lina gibt die Adresse der Autovermietung ins Navi ein und wir fahren los. Wir kommen gut durch, haben ab der Stadtgrenze aber noch 9 Kilometer die wir wieder durch den höllischen Stadtverkehr müssen. Da das Navi scheinbar nicht auf dem neusten Stand ist, müssen wir einige Umwege fahren, da ausgegebene Straßen Einbahnstraßen sind oder es sie schlicht nicht gibt. Neben Schlaglöchern, deren Boden man nicht sieht, macht Andi wieder die „Nö, du kommscht hier net rein“ Mentalität der anderen Autofahrer zu schaffen. So sagt uns das Navi, wir sollen in eine Straße fahren, zu der wir von der Geradeaus-Spur aus durch einen kleinen einspurigen Durchlass (ähnlich einer Abbiegespur) müssen, um dann die zweispurige Gegenfahrbahn zu überqueren. Die Abbiegespur wird allerdings auch von der Gegenseite zum gleichen Manöver genutzt. Andi hält, da es kein Durchkommen über die Gegenfahrbahn gibt (da die Autos mit min. 50 km/h fahren) was mit Hupen und scharfen Bremsmanövern quittiert wird. Zudem stehen Andi nun Autos gegenüber die wiederum auf unsere Seite wollen und ebenfalls laustark hupen. Nach 2 schier endlosen Minuten, in denen wir keine Chance sehen die Gegenfahrbahn zu queren, versucht Andi wieder zurück zu setzen und geradeaus weiterzufahren, was gefühlt wieder mehrere Auffahrunfälle auslöst. Wieder auf unserer Spur sehen wir im Rückspiegel, wie mehrere Autos einfach auf die Gegenfahrbahn fahren und das gewünschte Manöver durchführen. Die Autos auf der Gegenseite halten auch tatsächlich. Wir können uns bis jetzt nicht erklären, wie das klappen konnte bei der Geschwindigkeit der anderen Autos. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir unserem Ziel immer näher. Es sieht zwar nicht nach Flughafen aus, aber das Navi wird es schon wissen. 500 Meter vor unserem Ziel kommen uns langsam Zweifel. Wir fahren nämlich mitten durch eine Favela und fahren immer mehr hinein und als wir unser Ziel erreicht haben, wissen wir dann sicher, dass etwas nicht stimmt. Lina checkt das Navi und stellt fest, dass sie Avenida und Rua verwechselt hat, das heißt wir befinden uns nun in der Rua Irgendwas anstatt in der Avenida Irgendwas. Andi ist von seinem Navigator begeistert. Lina weiß gar nicht, wie sie das wieder gut machen soll. Nachdem die richtige Adresse eingegeben ist, sind es dann noch einmal 6 km durch die Stadt. Die Stimmung im Auto hält sich in Grenzen, verbessert sich aber schlagartig nachdem wir das Auto am Flughafen losgeworden sind und die erste Zigarette geraucht worden ist.

Am Flughafen dann der nächste Schock. Es gibt nur einen Flug, der nach Salvador geht. Wir müssen aber noch weiter, nach Porto Seguro. Wir holen uns Hilfe an einem Schalter und erfahren, dass der Flieger in Salvador landet und dann weiterfliegt. Puh! Also geht es in den Flieger und es ist wirklich wie bei einer Busfahrt. Wir landen, Leute steigen aus und andere steigen ein, dann geht es weiter. Lina vergisst beim Aussteigen ihre Chips im Flieger und eine Mama mit Baby, trägt sie ihr bis zum Gepäckband hinterher, trotz Baby in der einen Hand und Gepäck in der anderen. Diese Brasilianer überraschen uns immer wieder mit Ihrer Wahnsinns netten Art!

Gegen ein Uhr nachts kommen wir in Porto Seguro an und werden abgeholt. Es geht zur Fähre, die uns nach Arraial d’Ajuda bringen soll. Leider verpassen wir diese, trotz äußerst rasanter Fahrt. So müssen wir eine halbe Stunde warten und kommen gegen 2 Uhr erschöpft im Hotel an und obwohl es dunkel ist, sind wir schon jetzt begeistert. Von der Terasse aus hören wir das Meer rauschen und in unserem Kühlschrank hat das Hotel für uns Sandwiches bereitgestellt, da sie davon ausgehen, dass wir kein Abendessen bekommen haben. Dazu muss man sagen, dass wir das Hotel lediglich mit Frühstück gebucht haben. Und so fühlen wir uns gleich sehr willkommen und schlummern gegen 3 Uhr selig ein.