Arraial d’Ajuda / Costa do Descobrimento (Bahia)

15. September 2015

Erkundungstour

Obwohl wir erst um 3 Uhr saumüde, aber auch glücklich ins Bett gefallen sind, weckt uns eine innere Uhr nach 6 Stunden schon wieder. Man will die Umgebung, die man nachts nur erahnen konnte, ja nun auch sehen. Und das Aufstehen wird durch den Ausblick sofort belohnt. Von unserem Zimmerchen sehen wir direkt auf den Atlantik. Wunderbar! Es herrscht gerade Ebbe und wir können das vorgelagerte Riff sehen, das teilweise aus dem Meer ragt. Unser Zimmer ist klein, aber total süß, sauber und eben mit kleinem Balkon inkl. Hängematte und Meerblick. Zum Frühstück, was neben u.a. Säften, Toast und Gebäck auch eine Ei- u. Maniokkarte aufbietet, bestellen wir Spiegelei – sunny side up wird hier verstanden. Dem Koch, der auch gleichzeitig unser Kellner ist, scheint, seinem angewiderten Blick nach zu urteilen, unsere Wahl nicht zu gefallen. Ist uns aber egal, wir haben jetzt Lust auf Spiegelei. Nach der Stärkung machen wir uns auf, die Umgebung zu erkunden. Da unsere Unterkunft etwas abseits und direkt am Meer liegt, wohingegen das Städtchen auf einem Hügel ist, wollen wir am Strand entlang gehen, bis wir von dort einen Aufgang nach Arraial d’Ajuda finden. Nach kurzem Gehen kommen viele Strandbars und es ist ordentlich was los, aber wir können hier keinen Durchgang entdecken. Nach einer knappen Stunde Wanderung gelangen wir zu der Einsicht, dass wir zu weit gegangen sind und beschließen umzukehren. Nach diesem Morgensport, erholen wir uns aber erst mal in einer der Strandbars und sorgen für einen besseren Flüssigkeitshaushalt in Form von Bier und einer Pina Colada. Hier werden wir von einem gebürtigen Karlsruher und seiner Frau aus Sao Paulo angesprochen, die hier schon mehrere Jahre leben. Es stellt sich heraus, dass die Kellner im Retsaurant ihm immer Bescheid geben, wenn Deutsche da sind, er aber nur diejenigen anspricht, die ein Bier trinken. Diesen ersten Coolness-Test haben wir also bestanden. Der Karlsruher Jung erzählt, wie es war, als die deutsche Nationalmannschaft hier in der Nähe 2014 ihr Quartier hatte. Er war zu Besuch dort, kam aber nicht rein. Das Stadion im Nationalpark ist doch tatsächlich so gebaut bzw. ausgerichtet worden, dass der Sonneneinfall dem in Rio de Janeiro / Maracanã gleicht – verrückt! Sie zeigen uns dann auch den Aufgang zur Stadt und erklären uns, wo wir einen Strand ohne vorgelagertes Riff finden. Hier sollte es dementsprechend Wellen geben. Die beiden begleiten uns dann sogar bei dem schweißtreibenden Aufstieg in die Stadt und zeigen uns alles Wichtige. Auf eigene Faust schauen wir uns noch die alte Kirche an und die dahinterliegende Aussicht über den grünen Hang und hinunter zum Meer. Wirklich schön. Am Abend wollen wir mit dem Taxi in die Stadt, da der Weg sowohl über die Straße als auch über den Strand im Dunkeln nicht gegangen werden soll. An der Rezeption ist aber einfach niemand aufzutreiben. Ein brasilianisches Urlauberpärchen sieht uns unsere Not an und fragt, ob sie uns mitnehmen sollen. Wir sind überglücklich und steigen in das Auto. Nun haben wir aber das gleiche Problem. Das Tor kann nur von der Rezeption aus geöffnet werden und so stehen wir jetzt mit dem Auto vor der verschlossenen Tür. Nach einigen Minuten kommt dann aber endlich jemand und entlässt uns in die Freiheit und zum wohlverdienten Abendessen. Perfekt! Im Auto erklärt uns die Frau, dass ihre Tochter Deutsch lernt seit sie 4 ist und dass Deutschland ein tolles Land ist. Die Komplimente geben wir aufrichtig für Brasilien zurück und fragen, warum die Tochter gerade Deutsch lernt. Weil Deutschland so sympathisch und vor allem wirtschaftlich stark und einflussreich ist, lautet die Antwort. Eine hohe Meinung hat man hier von uns. Nach der ganzen gegenseitigen Lobhudelei gehen wir ins Aipim zum Abendessen, weil der Loose (unser Reiseführer) das empfiehlt. Linas Essen ist schwer zu definieren und auch nicht wirklich lecker, denn es gibt ungewürzte Scampis mit äußerst schleimigem, ungewürztem Bohnenbrei (wo Lina doch Bohnen so liebt). Andis Fisch dagegen ist ausgezeichnet. Der Glückspilz. Im Taxi zurück zeigt der Genossene Wein bei Lina Wirkung und sie schläft bereits auf den ersten Metern ein. Das wird sie noch bereuen, da der Taxifahrer auf halber Strecker ganz aufgeregt „Tatu, Tatu!“ ruft. Während Lina selig weiter schläft, schaut Andi aus dem Fenster und erblickt ein Gürteltier am Straßenrand. Lina ist ganz schön eifersüchtig. Vor allem, so ihre einleuchtende Erklärung, da Gürteltiere typische „Frauentiere“ sind. Was sagt ihr?

16. September 2015

Fahrradtour am Strand

Da wir unseren gestrigen Erkundungsradius erweitern und den Strandabschnitt mit den Wellen finden wollen, mieten wir uns für heute Fahrräder. Die sind ein bisschen für den Strand ausgelegt und ähneln extrem günstigen Mountainbikes. Nach 7km (laut GoogleMaps) Strandfahrt verlassen uns sämtliche Kräfte. Erstens ist im Sand zu fahren nicht mit der Straße zu vergleichen, da man immer ein Stück im Sand einsackt und es Lina nach den ersten Metern dementsprechend auch gleich mal so richtig auf die Fr…. haut. Zweitens haben wir nur einen Gang. Naja ist wohl eher doch ein Drahtesel als ein Mountainbike. Drittens ist unsere Kondition trotz des vielen Sports (noch) nicht die Allerbeste. Die, durch die Steilklippen auf der einen und das Meer auf der anderen Seite entstehende, Kulisse ist die Mühen aber allemal wert. Ein Bad in den schönen Wellen verschafft Abkühlung, bevor es zurück geht. Schnellstmöglich wollen wir aber nun in eine Strandbar. Mit diesem Ziel vor Augen, ist der Rest der Radtour das reinste Vergnügen. Sieht man mal davon ab, dass wir auf dem Rückweg gegen den Wind fahren und wir einen Teil schieben müssen, da die Flut nun schon zu weit vorgedrungen ist und uns der Strand ausgeht. Bei einem Zwischenstopp tobt sich Andi noch einmal richtig in den Wellen aus. Jetzt ist es leider zu spät für Strandbar, da die Flut immer weiter vorrückt und uns den Weg zum Hotel abzuschneiden versucht. So machen wir uns also schleunigst auf den Weg zurück. Im Hotel angekommen buchen wir unsere Wal-Tour für übermorgen. Irgendwie machen wir unserer Rezeptionistin klar, dass sie bitte telefonisch die Ausleihe unserer Räder bis morgen verlängern soll und ebenso klären soll, ob wir bei der Wal-Tour am Hotel abgeholt werden oder wir zur Agentur kommen sollen. Das ist aus unserer Sicht ohne gemeinsame Sprache eine hier nennenswerte Leistung. Abends essen wir im Manguti. Lina speist Gnochi mit Schrimps und Andi Steak mit Champignons und Spargel (!). Beide Gerichte sind oberlecker, aber trotz dem Hinweis, dass die Speisen für eine Person sind, viel zu viel. Der Taxifahrer auf dem Heimweg begrüßt uns mit einem „Tatu“ und freut sich, dass er uns wieder fahren darf. Seine Begrüßung löst Linas gestrige Eifersucht wieder aus – Hard Life!

17. September 2015

Entspannung

Heute passiert außer Entspannung am Strand und seinen Bars nicht viel. Gut, dass wir die Ausleihe der Fahrräder verlängert haben. Ziemlich clever. Abends essen wir im Xaxa typisch brasilianisches Steak, Picanha. Absolut sensationell und lohnt eine Google-Suche. Lina träumt immer noch regelmäßig von diesem Fleisch und erzählt bei jeder sich bietenden Gelegenheit davon.

18. September 2015

Wal-Tour

Die Wal-Tour ist ein echtes Schnäppchen. Während man auf der Wiesn für 3min Achterbahnfahrt 10€ zahlt, kosten hier 4 Stunden nur 40€. Allerdings bringt das auch viele uns begleitende Hobby-Ozeanologen dazu, sich ihres Mageninhaltes zu entledigen. Als wir von der Crew angehalten werden uns wegen der besseren Sicht auf zwei Tonnen ganz vorne im Boot zu setzen, sind wir irgendwo zwischen Bullriding und Achterbahn mit freiem Fall, versucht, es den anderen Bootsinsassen gleich zu tun. Dank Vomex (Danke nach Landsberg) geht dieser Kelch aber doch irgendwie an uns vorbei und wir geben unser Frühstück nicht mehr her. Das Ganze ist trotzdem ziemlich zermürbend. Aber nur bis wir die Buckelwale dann tatsächlich sehen. Das Spektakel ist wirklich unvorstellbar und kann von uns nur wärmstens empfohlen werden. Besonders schön ist es, dass die Tour von der örtlichen Walforschungsstation durchgeführt wird und eine Wissenschaftlerin an Board ist, die auch Englisch spricht und alles super erklärt. Auf der Rückfahrt genießen wir dann als Sahnehäubchen noch den selben Ausblick (auf Porto Seguro = Sicherer Hafen), den die Portugiesen hatten, als sie als erste Europäer im Jahr 1500 den Fuß auf dieses wunderschöne Land setzten. Geprägt vom Vorabend will Lina heute sofort wieder Fleisch. Dieses Mal gehen wir zum Argentinier („Buenos Aires“). Da wir auf unserer Reise dort nicht hinkommen werden, müssen wir wenigstens ihr Fleisch essen. Bis das Essen kommt geht es eine ganze Weile, welche die Flasche Wein nicht überlebt. Da Andi einen Aschenbecher auf Portugiesisch bestellt (un cinzeiro por favor), wird er vom Kellner für seine Sprachkenntnisse gelobt. Auf Andis não falo Português erwidert der Kellner, dass er aber die richtigen Wörter (cinzeiro) kennt. Das macht den Mann natürlich stolz. Das Essen ist übrigens erneut super.

19. September 2015

Heute ist als Abschlusstag nochmals ausschließlich Strand angesagt. Laut unserem Reiseführer findet man die schönsten Strände Brasiliens in Bahia, also unserem momentanen Bundesstaat, das müssen wir ein letztes Mal in vollen Zügen genießen.

20. September 2015

Für heute steht der Flug nach Foz do Iguaçu auf dem Programm, wo wir die größten Wasserfälle unseres Planeten begutachten wollen. Im Flugzeug (Flug von Porto Seguro nach Salvador) werden wir vom Kapitän auf Deutsch begrüßt. Das ist uns irgendwie peinlich, aber natürlich freuen wir uns auch darüber. In Salvador (zwischen-) gelandet, müssen wir unser Gepäck erneut holen und aufgeben. Von hier aus soll es über São Paulo nach Foz do Iguaçu gehen und laut Planung haben wir nach der Landung 3min Zeit bis das Boarding beginnt. Am Schalter in Salvador sagt man uns, dass wir unser Gepäck in São Paulo holen und wieder aufgeben müssen sowie den kompletten Check-in machen müssen. Uns steht der Schweiß auf der Stirn, weil das irgendwie in 3 Minuten nicht machbar scheint. Das Durchrouten unserer Rucksäcke, aber auch auf mehrfaches Bitten, anscheinend ebenfalls nicht. Nach 45min Diskussionen und diversen Ansprechpartnern am Schalter sichert man uns doch noch zu, dass unser Gepäck direkt bis zu den Wasserfällen geflogen wird (jemand holt es per Hand aus dem Flieger und bringt es in das Flugzeug zu den Wasserfällen) und wir werden eingecheckt. In Gedanken und später auch schriftlich bedanken wir uns bei Flüge.de, die diesen Stress verursacht haben. Bis heute kam dazu im Übrigen keine Stellungnahme. Bei dem Flughafenpersonal bedanken wir uns überschwänglich und sind, nach dem Abwerfen von 1000 Steinen, überglücklich. Letztendlich kommt die Vorfreude auch nicht verfrüht, da wir in Foz do Iguaçu unsere Rucksäcke vom Gepäckband nehmen können. Nur noch rein ins Taxi und ab ins Hotel. Der Absacker darf nach dieser nervenaufreibenden Reise nicht fehlen, aber jetzt gehen wir schlafen. Gute Nacht!