Botswana Mokoro-Trip: Sleeping with the Elephants

17./18./19. August 2015

Da sitzen wir nun beim Frühstück und sind gespannt, was uns wohl die nächsten 2 Tage bei unserem Mokoro-Trip durch das Delta erwarten wird… Lina bestellt sich zur Abwechslung Müsli und bekommt… Haferschleim.

Frisch gestärkt wird uns Kalvin, unser Guide für die nächsten Tage, vorgestellt, der mit dem Auto vorfährt. Für uns geht es mit dem Motorboot erst einmal tiefer hinein in das Delta und nach einer Stunde Fahrt vorbei an Horden von Eseln, Kühen sowie Pferden, die vor unserem Boot durch das Wasser schwimmen, erreichen wir ein kleines Dorf mit Rundhütten aus Lehm und grasbedeckten Dächern, in dem der Stamm lebt, der mit uns den 2tägigen Trip machen wird. Hier werden wir erst einmal von diversen Einheimischen umlagert, die sich alle als unser Guide vorstellen… teilweise auch mehrmals, da sie uns in dem Gewimmel mehrfach als potenzielle Kunden identifizieren. Geplant scheint das hier alles nicht so recht zu sein und eigentlich wurde uns unser Guide Kalvin doch schon in der Lodge vorgestellt? Andi versucht dies zu erklären, was dazu führt, dass erst Lina freudig mit dem Namen Kalvin begrüßt wird und nachdem klar ist, dass Lina nicht Kalvin ist, wir jetzt auf den dritten Mann in unserer Gruppe warten… Alles sehr verwirrend. Nach einigem Hin- und Her und Diskussionen, die das ganze Dorf mehr oder weniger über unsere Köpfe hinweg führt, ist klar: Kalvin ist der Mensch, der unser Equipment bringt und uns tatsächlich auch begleiten wird. Später erfahren wir, dass zwar klar ist, welche Dorfbewohner zu Trips aufbrechen, aber wer mit wem und überhaupt wird erst vor Ort entschieden. Neben Kalvin wird uns scheinbar auch noch ein Team begleiten, bestehend aus 3 weiteren Dorfbewohnern, wobei wir uns ernsthaft fragen, warum wir zu zweit 4 Begleiter brauchen.

Nun kommt dann auch endlich der viel diskutierte Kalvin mit einem Pickup an, der voll geladen ist mit Equipment. Es ist beängstigend, was von dem Auto alles abgeladen wird: Diverse Zelte, 4 riesige Kisten, Stühle, Tische, eine Dusche, ein WC- Deckel etc. und wir fragen uns ob wir wirklich nur 2 Tage unterwegs sein werden oder ob wir aus Versehen für eine Auswanderung ins Delta unterschrieben haben. Das könnte zumindest auch den horrenden Preis des Trips erklären. Jetzt erklärt sich auch die Stärke des Teams. Für den Transport von soviel Zeug benötigt es eben auch vier der Einbäume, in denen gerade Mal 2 Personen sitzend Platz finden. Nachdem alle Habseligkeiten und auch wir in den Mokoros verstaut sind, geht es los. Mokoros werden, wie die Gondeln in Venedig, mit einem Stab durch das Wasser geschoben, dementsprechend ist auch die Geschwindigkeit. Das Bötchen wackelt gewaltig und der „Steuermann“ muss neben dem Staken auch noch die Balance des Kanus garantieren.  Um eventuelle Hoffnungen der geschätzten Leser gleich im Keim zu ersticken: nein, wir sind nicht umgekippt und nicht ins Wasser gefallen. Da aber ein kleines Loch im Boot war, sind wir trotzdem nass geworden. Nun trudeln wir also gemächlich durch das Delta und die Stille ist fast beängstigend. Wann hast du das letzte Mal nichts gehört? Als Weg durch das Delta, das völlig überwuchert ist mit 1 Meter hohen Gewächsen, werden von Hippos angelegte Wege genutzt. So müssen wir uns nicht komplett durch das Gestrüpp schlagen und werden nur von Zeit zu Zeit von Spinnweben und schlagenden Ästen angefallen. Alles in allem sehr idyllisch – noch.

Während der 1,5 Stunden Fahrt kommen wir an einem kleinen Krokodil vorbei. Lina begutachtet das Exemplar, Andi möchte gerne weiter, da er Mama-Kroko irgendwo vermutet und einer Konfrontation gerne aus dem Weg gehen möchte. Da hilft es auch nicht, dass der Guide uns sagt, dass die Mutter gar nicht da sein kann, da das Krokodil 2 Monate alt ist und Krokodile nur bis zum 2. Lebensjahr von der Mutter begleitet werden (???). Aber solche beruhigenden Kommentare werden wir noch häufiger zu hören bekommen. Mama-Kroko begegnet uns nicht und so geht es weiter in ein großes Becken ohne Vegetation aus dem merkwürdige Schnaubgeräusche herüber klingen. Urheber sind Hippos, die alle paar Minuten den Kopf aus dem Wasser heben und ihr Atemloch vom Wasser freipusten. Aus 100 Meter Entfernung sehen die Tiere schon ziemlich groß aus. Es dauert nicht lange da haben uns die Hippos entdeckt und nähern sich langsam an, indem sie untertauchen und eine Minute später 10 Meter weiter vorne wider auftauchen. Unser Guide bleibt ruhig und steuert weiter mit dem Kanu auf die possierlichen Tierchen zu. Leichte Panik entsteht bei den anderen Insassen im Boot. Sobald die Tiere untertauchen lukt Lina immer wieder unter das Kanu. Es sind halt doch keine Überraschungseier-Figuren. Die Tiere kommen immer näher. Wir bitten den Guide, den Rückzug anzutreten, denn wenn der Kopf schon größer ist als du selbst, macht sich etwas Ungemach in der Magengegend breit und die Nussschale in der wir sitzen kommt uns auf einmal gar nicht mehr so sicher vor. Nachdem das Adrenalin sich etwas gelegt hat, fragen wir den Guide, wie man mit den Tieren umgeht. Er erklärt uns, dass man sich den Tieren nicht mehr als 80-100 Meter nähern soll. Andi fragt, wie weit die Hippos eben noch entfernt waren und er antwortet lapidar: so 20 Meter – das Vertrauen in unseren Guide wächst „hüst“. An unserem Lager für die Nacht angekommen sind wir überrascht. Das Team hat das komplette Camp schon aufgebaut und wir bekommen Lunch. Lina hat nach dem Haferschleim vom Morgen reichlich Hunger und langt bei den Würsten richtig zu. Sie nimmt gleich 2 von 5 und lässt es sich schmecken – blöd, dass das Essen für alle 6 Campbewohner gedacht war. Peinlich! Es folgt eine längere Siesta, in der ein Elefant rund 20 Meter am Camp vorbeizieht (nein, es gibt keinen Zaun und laut Guide soll man sich den Elefanten nicht mehr als 80 Meter nähern) und Andi und Lina im Okavango-River schwimmen gehen (ja hier gibt es Krokodile und Nilpferde, aber laut Guide nicht an dieser Stelle, was er aber später auch wieder revidieren wird). Die Bush-Toilet, die aus einem Loch im Boden mit einem Stuhlgestell inkl. Klodeckel besteht, wird eingeweiht. Alles in allem sehr luxuriös 🙂

Gegen 16:00 Uhr brechen wir auf zu einem Bush-Walk – ja wir laufen einfach mal drauf los, vorbei an Elefanten, Zebras, Nilpferden und diversem Wild. Es ist schon erstaunlich was die uns hier machen lassen. Wir laufen mitten durch die Wildnis! TÜV- geprüft ist das wohl nicht. Im Kruger Park waren wir auf asphaltierten Straßen unterwegs und durften nicht mal aussteigen. Wir sehen einen grandiosen Sonnenuntergang und machen uns dann auf den Rückweg. Die Elefanten, die wir vorhin schon einmal gesehen haben, kreuzen nun erneut unseren Weg und schneiden uns den Weg zurück zum Mokoro ab. Unser Guide wird plötzlich nervös. Andi soll seinen blauen Rucksack verstecken, damit der Elefant ihn nicht sieht und dann stürmt er los in einem großen Bogen um die Elefanten herum und treibt uns an, ihm schnell zu folgen. Nun sind wir nicht ganz so geländegängig wie ein Einheimischer und stolpern ihm panisch über Äste, Baumstämme und durch Schlamm hinterher. Immer näher kommen die Elefanten und der Guide wird immer schneller…unsere Adrenalinspiegel erreichen ihr Maximum. Nach einer gefühlten Ewigkeit bleibt der Guide endlich stehen – wir haben die Gefahrenzone scheinbar verlassen, obwohl die Elefanten für unseren Geschmack doch noch sehr nah sind (50Meter). Er erklärt uns, dass wir im Wind standen und uns der Elefant riechen konnte. Das ist wohl an sich kein Problem, aber es hat sich scheinbar um ein geiles Single-Männchen gehandelt, die sehr aggressiv werden können. Wir sind gottfroh als wir zurück am Camp sind und sind den Rest des Abends das Gespött der Einheimischen, denn auf einmal war die Situation wohl gar nicht mehr so gefährlich. Wir trinken gemeinsam mit den Guides 2 Flaschen Wein, unterhalten uns über das Leben in Botswana und in Deutschland, lachen viel und hören uns die Musik der Einheimischen an. Der Nachthimmel über Botswana ist einmalig! So viele Sterne haben wir noch nie gesehen und die Milchstraße leuchtet unglaublich intensiv. Der Mond ist hier auch ganz anders, er ist entweder nach oben oder unten offen und nicht nach links oder rechts. Völlig fertig fallen wir in unser Zelt und schlafen dank Moskito im Zelt eher schlecht als recht.

Am nächsten Morgen geht es früh raus. Wir haben einen 3stündigen Bush-Walk vor uns. Lina ist etwas flau im Magen bei dem Gedanken an den Walk gestern. Mit dem Mokoro geht es, wie gestern Abend auch, auf eine Insel und wir laufen los. Der Guide erklärt uns Pflanzen und tierische Fährten. Nach 20 Minuten findet er Löwenspuren und ist ganz begeistert. Er meint, wir sollen uns keine Sorgen machen. Falls wir Löwen begegnen, sollen wir einfach still stehen bleiben, also ganz natürlich reagieren (???). Aber er beruhigt uns weiter indem er sagt, falls Löwen da wären, wären keine anderen Tiere auf der Insel, denn die flüchten, wenn sie Löwen riechen. Bisher und in der nächsten halben Stunde sehen wir kein einziges Tier. Lina schnuppert in der Luft und möchte auch flüchten. Endlich kreuzt ein Warzenschwein unseren Weg und wir atmen auf. Kurz darauf begegnet uns eine große Gnu-Herde und noch etwas weiter 12 Giraffen, an die wir bis auf 50 Meter herankommen. Wir sitzen im Schatten und beobachten sie bei ihren alltäglichen Aktivitäten. Es ist unglaublich, diese faszinierenden Tiere so nah und in freier Wildbahn zu beobachten. Dann machen wir uns auf den Rückweg. Es ist Mittagszeit und die Sonne brennt. Wir sind nun schon 3 Stunden unterwegs über Stock und Stein und langsam wirklich fertig. Unser Guide legt mal wieder ein unglaubliches Tempo vor und trällert lustig „The Lion sleeps tonight“, während wir nur noch vorwärts stolpern und in der Ferne verschwommen eine Bar mit kühlen Getränken, einen kühlen Wasserfall, ein Schloss aus Eis etc. wahrzunehmen glauben. Nach mehr als vier Stunden erreichen wir endlich das Mokoro und sind nur noch ein Schatten unserer Selbst. Nach Lunch und Abbau des Camps trennen uns nur noch 1,5h Fahrt mit dem Mokoro und 30min. Fahrt mit dem Motorboot von der ersehnten Zivilisation. Erschöpft kommen wir am frühen Nachmittag wieder in der Lodge an und wollen für die nächsten 1,5 Tage eigentlich nichts mehr wissen. Wir müssen dann aber doch noch einmal Cash- Nachschub in der Stadt holen. Wir unterhalten uns mit dem Taxifahrer über Deutschland und Andi zeigt auf einen alten BMW, der vor uns fährt und sagt dem Taxi-Fahrer, dass das ja ein deutsches Auto sei. Er guckt Andi ganz mitleidig an und sagt, dass das ja ganz klar ein Englisches Auto sei. BMW hieße ja wohl „British Metall Works“, das wisse ja wohl jeder. Als Andi ihm erklärt, dass wir in der Stadt wohnen, in der die Autos gebaut werden, werden seine Augen immer größer. BMW sollte wohl etwas mehr in sein Marketing in Botswana investieren. Nach den letzten Tagen in der Wildnis müssen wir jetzt doch mal waschen. 2 Stunden benötigen wir um unsere Kleidung von Hand in großen Bottichen und mit kaltem Wasser zu waschen. Vielleicht hätte man doch den Laundry-Service in Anspruch nehmen sollen, denn so richtig frisch und sauber fühlt sich die Kleidung nach der Aktion nicht an. Nun ist dann aber auch gut und außer Schlafen, Essen und entspannen steht nichts mehr vor unserer Abreise nach Brasilien auf dem Plan.

 

Bilder „Old Bridge Backpackers“ – Okavango Delta